Oh boy.

Oh Boy Tom Schilling

Berlin-Filme mag ich eigentlich nicht. Und dann sah ich mir neulich “Oh boy” mit Tom Schilling an (hier geht´s zum Trailer…!). Seither bin ich völlig hingerissen! Klar, ein winziges bißchen bin ich hingerissen vom (hübschen) Tom Schilling, der in diesem Film einfach so lässig-gelangweilt spricht, wie ich´s auch gern können würde. Klingt bei Frauen allerdings völlig bräsig. Habe ich mal ausprobiert, kam überhaupt nicht gut an.

Und dann bin ich auch hingerissen von den Filmstills aus Berlin. Der Stadt, in der ich seit sieben Jahren lebe. Einem Ort, an dem man so herrlich herumschlumpfen kann. Und genau das macht Tom Schilling auch in “Oh boy” so wunderbar. Abhängen. Herumlurchen. Ständig ist er unterwegs, weiß aber nie, wohin eigentlich genau. Leute besuchen, Orte besuchen. Nichts wirklich zu tun zu haben. Herrlich.

In Berlin schlumpft kaum mehr jemand so richtig offiziell herum. Alle sind irre beschäftigt, jeder schafft´s alles gerade gar nicht, hat tausend Jobs gleichzeitig angenommen… Dass sich jemand einfach mal zum Nichts-Tun bekennt und sagt: “Joah, stimmt, ich habe in den letzten zwei Jahren eigentlich nichts richtig auf die Reihe bekommen…”, das passiert hier nicht mehr so oft. Eigentlich nie. Vielleicht ist das einfach nicht mehr so angesagt. Vielleicht bewege ich mich auch nicht in den richtigen Kreisen.

Der Film “Oh boy” ist die Abschlussarbeit des Regisseurs Jan-Ole Gerster gewesen, kürzlich räumte er beim Deutschen Filmpreis mehrere wichtige Auszeichnungen ab. Gerster, Jahrgang 1978, studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin und ich glaube, er kennt noch ein paar von ihnen: von den jungen Berlinern, die alle Fünfe auch mal gerade sein lassen können. Die nicht immer so viel wollen. Die es sich einfach auch mal gut gehen lassen. Die würde ich auch gern mal kennenlernen. Von denen könnte ich mir  noch was abschauen!

Foto: Filmstill aus “Oh boy”

Just natural

Gwyneth Paltrow

Wer sich – so wie ich – einfach überhaupt nicht schminken kann und erst dann in den Drogeriemarkt flitzt, wenn die Wimperntusche schon so dermaßen hartnäckig krümelt, dass Freunde einem beim ausgedehnten Mittagessen im Pappa e Ciccia unauffällig die Klümpchen von der Wange wischen, während man gerade über das x-te Projekt herumpalavert, das längst fertig sein sollte, sich jetzt aber doch wieder ewig in die Länge zieht.. nun, ich bin so schlecht im Schminken, dass ich jedem erzähle, ungeschminkt sähe man “ja eh immer am allerlässigsten” aus.

Vor allem hier in Berlin, wo die meisten möglichst gammelig bekleidet das Haus verlassen und man kurz denkt: ach ja, auch schon länger keinen ordentlichen Freelance-Job mehr ergattert…  Wie leicht man sich doch täuscht! Schaut man nämlich doch noch mal genau hin, ist das, was die schlottrige Person da trägt, in den allermeisten Fällen ganz wahnsinnig hochexquisites Zeug von zum Beispiel Kostas Murkudis oder Ann Demeulemeester.

Diesen “Nicht”-Look versuchte ich ganz oft kostengünstig nachzustylen: mit einem grauen T-Shirt, einer schlichten, Boyfriend- Stoffhose, einem Oversize-Cardigan. Alles natürlich NICHT von Ann Demeulemeester oder Murkudis. Dafür bräuchte ich ein etwas großzügigeres Kreditkartenlimit oder einen anständig bezahlten Managerjob. Beides schließt sich im Zusammenhang mit dem Stichwort “Berlin” eigentlich aus. Man muss sich mir also nur mal auf mehr als 2,5 Meter nähern, schon fällt mein zusammenkopiertes Styling-Konstrukt kläglich in sich zusammen. Am liebsten hätte ich gerade schwarze Espandrilles, es müssen auch keine von einem belgischen Super-Designer sein, die Dinger fallen eh beim nächsten Regenguss auseinander.

Jetzt muss ich nur das mit dem Schminken nochmal überdenken. Das Foto von Gwyneth, das ich heute auf Tumblr entdeckte, macht mich jetzt nämlich doch ein wenig nachdenklich. Die Gwyneth ist auf diesem Bild zum einen wirklich super geschminkt – und schaut gleichzeitig auch noch ganz hinreissend mädchenhaft-natürlich aus. Kann sich der Make-up-Artist, der dieses Werk vollbracht hat, bitte mal ganz dringend bei mir melden? Und diesen Top-Fotografen, der das herrlich unscharfe Foto gemacht hat, den kann er auch gleich mitbringen. Wer mich suchen sollte: ich schaue mich in der Zwischenzeit schon mal nach tollen Shooting-Locations in unseren Berliner Parks um. Bis dahin dann noch ungeschminkt, is klar.

Foto: Gwyneth Paltrow auf Tumblr

Krieg der Sterne

David Sedaris 2013

In den letzten sechs Wochen verlief alles so wahnsinnig holprig, dass ich mich irgendwann morgens zu fragen begann, welche zwei Sterne es denn jetzt eigentlich ganz genau sind, die sich gerade zwischen Mars und Jupiter kräftig ins Gehege gekommen sein müssen. So sehr lief vieles daneben. Und so oft fragte ich mich, ob man denn nicht doch vielleicht etwas winzigkleines dagegen tun könne, zum Beispiel irgendwelche Aufräumarbeiten auf irgendeiner wichtigen Umlaufbahn in die Wege leiten, damit mein Jahr und das meiner Freunde doch bitte, bitte wieder so halbwegs in normale Bahnen zurückgeraten würde, ohne dass noch weitere Wahnsinns-Kracher auf uns einprasseln.

Und ich meine jetzt nicht die Art von POSITIVEN Krachern. Eher die Sorte von Kracher, bei der man Wochen später noch am Badezimmer-Spiegel mit den optischen Aufräumarbeiten des letzten Desasters beschäftigt ist. Und sich fragt, wie man diese pandabärchenartigen Augenringe und die neu hinzugekommenen Krähenfüßchen eigentlich jemals wieder wenigstens so halbwegs erfolgreich vor der Außenwelt vertuschen soll.

In solchen Ausnahme-Wochen ist es wohl das beste, sich mit einem David Sedaris-Buch an den anderen Teil der Erde, also vielleicht nach sowas lässiges wie Argentinien abzusetzen. Oder Mexiko. Beides Orte, die ich ganz dringend mal sehen will. Und je älter ich werde, desto dringender möchte ich dahin. Wenn´s doch nur nicht so weit weg wäre. Und die Königin der großen Übersee-Reiseplanungen bin ich ja leider nicht so richtig.

Sedaris Erzählungen bringen mich oft so dermaßen unkontrolliert zum Lachen, dass mein Sitznachbar vorgestern im Flugzeug ganz irritiert von mir wegrückte, soooo sehr muss ich unvermittelt losgeprustet haben, was für unbeteiligte Menschen ja zugegebenermaßen auch etwas irre rüberkommen kann.

Neulich erst kamen wir auf Marlenes Geburtstagsessen auf den großartigen David Sedaris sprechen, da gab es am Tisch zwischen der fünften Flasche Wein und einem grandiosen, selbstgebackenen Kuchen mit Blaubeer-Topping von Nora (die extra aus München gekommen war) kein Halten mehr, so sehr mussten einige allein bei der bloßen Erwähnung einer ganz bestimmten Sedaris-Kurzgeschichte lachen (der Geschichte “Me talk pretty one day”, zu deutsch “Ich ein Tag sprechen hübsch” aus dem gleichnamigen Band). In dieser Geschichte besucht der Amerikaner Sedaris einen Französisch-Kurs in Paris und schlägt sich mit der wohl strengsten Sprachschul-Lehrerin der Welt herum.

Sedaris kann auch Trauriges aufschreiben. Auch diese Geschichten erzählt er immer in einem ganz eigenen, traurig-liebevollen Ton. Und wie wunderbar Sedaris uns Europäern sein Amerika erklärt! Ein Amerika, in dem so praktische Dinge wie Pinkel-Auffangbehälter für die Hose erfunden werden. Es könnte ja sein, dass man in einem Football-Stadium nach sechs Litern Bier ganz dringend mal “muss” und irre gern unbeobachtet pieseln würde, ohne dafür seinen Sitzplatz zu verlassen und ein Klo aufsuchen zu müssen. Sedaris, generell immer schwer begeisterungsfähig für trashige, technische Neuentwicklungen, hat sich das “Stadium Pal”-Set einfach mal nach Hause bestellt und auf Herz und – äh- Nieren getestet. Wie es sich anfühlt, mit einem knallheißen Tank voll Pipi in der Hose unterwegs zu sein, und wie sehr die Leute im Umfeld es dann doch bemerken, dass man irgendetwas merkwürdiges im Schilde führt, während man gerade so unauffällig wie möglich in seinen versteckten Urin-Beutel pieselt – all dies ist nachzulesen in “Buddy, can you spare me a tie” aus dem Band “Schöner wird´s nicht”.

Ohne die Bücher von David Sedaris würde ich die “Kracher-Wochen” nicht überstehen. Wie froh ich bin, dass diese unruhige Zeit gerade wieder vorüber zu sein scheint. Ich hoffe es zumindest!

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Unbedingt als erstes lesen:  “Ich ein Tag sprechen hübsch”

Lese ich gerade noch wieder einmal (..die englische Version von): “Schöner wird´s nicht”

Gerade neu erschienen – liegt schon auf meinem Nachttisch!  “Let´s explore diabetes with owls”

Foto: David Sedaris via Volume One

Lange Haare, kurze Haare

Karlie Kloss

Wenn ich meine langen Haare eines Tages wieder abschneide, dann doch so, oder? Sieht das amerikanische Model Karlie Kloss (Jahrgang 1992! Hilfe!) nicht super aus?

Nicht, dass ich ernsthaft über einen Friseurbesuch nachdenken würde, so ewig hat es gedauert, bis meine Strieselsträhnen es über die “Schulterabschleiflänge” hinübergeschafft hatten. Bei dieser unglücklichen Übergangslänge schaut man monatelang aus wie ein Horst und muss dann auch noch damit leben, dass die Haarspitzen ewig nicht weiterwachsen, weil sie auf den Schultern aufliegen und sich dort täglich ein winziges bißchen “abschleifen”, wie mir ein Friseur einmal berichtete. Kann auch alles völliger Unsinn sein. Mein Friseur erzählt viel, wenn er gelangweilt ist, weil er schon wieder nichts aufregendes schneiden darf. “Wusstest Du schon, dass es für jeden Menschen eine Haar-Maximal-Länge gibt”, behauptete er allen Ernstes, als ihn das winzige bißchen Spitzen schneiden, wofür ich in seinen Salon gekommen war, schon wieder maßlos unterforderte. Und wenn man diese erreicht habe, würde das Haar einfach nicht mehr weiterwachsen. Der Mann machte mir Angst. Doch, doch, das sei wirklich so. Könne ich ruhig glauben. Er habe eine Kundin, bei der passiere gar nichts mehr, ihr Haar würde seit Jahren einfach nicht weiterwachsen. So sehr sie sich das auch wünsche. Tolle Kopfmassagen, megateures Haaröl “for the roots” aus Amerika, ein Besuch beim Hautarzt mit Spezialisierung auf Haare: hätte alles rein gar nichts gebracht.

Eine Haar-Maximal-Länge? Gibt´s die wirklich? Das hat mich noch wochenlang beschäftigt, so wahnsinnig gern wollte ich doch mal wieder lange Haare haben. Bis zu meinem sechzehnten Geburtstag waren sie noch strohblond und ganz lang. Und auch viel dicker als heute. Damals fand ich meine lange Mähne allerdings einfach nur langweilig und brav. Mit sechzehn geht man ja immer davon aus, dass schöne Haare, straffe Haut und perlweiße Mäusezähnchen ganz einfach zur Grundausstattung gehören. Ich dachte, mit diesen Features wäre man halt einfach auf Erden angeliefert worden, das sei ja wohl eine Selbstverständlichkeit und müsse einen nicht weiter begeistern. Und so frisch aus dem Werk kam mir die Vorstellung auch völlig absurd vor, dass einige meiner (Bau-)Teile in Zukunft gut gepflegt werden oder mal einer Inspektion unterzogen werden müssten, um nicht als vollschrotter Totalschaden vorzeitig aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Mitte der Neunziger fand ich mich viel zu spießig. Die blonden, langen Haare, die ich seit dem Kindergarten so trug, sollten dringend runter. Aus heutiger Sicht eine klare Rebellion gegen meine Eltern, die das Haare abschneiden bis dato verboten hatten. Auch wollte ich mit sechzehn dringend so cool sein wie meine erste große Jugendliebe, ein Neunzehnjähriger aus meiner Schule, ein Kerl mit wunderschönen Augen und grün-gefärbten, kurzen Dreadlocks. Er war Schlagzeuger in einer nordfriesischen Punkband, stand kurz vor dem Abitur und hatte als Wahlfach freiwillig den Leistungskurs Chemie gewählt, was mich damals schwer beeindruckte. Als er eines Abends in seiner WG vorschlug, wir könnten doch diese Dose mit blauer “Directions Colour”, die er noch da hatte, einfach mal auf meine blonden Haare tun, war ich gleich hellauf begeistert. Ich legte die angebissene Scheibe Dinkelschrotbrot mit veganer Zwergenwiese-Paste zurück auf meinen Teller und rief vom Festnetztelefon (es waren die letzten Jahre ohne Handys) sofort bei meinen Eltern an, um die “Aktion” anzukündigen. Meine Mutter kreischte, mein Vater solle sofort an den Apparat kommen, das könne ja wohl jetzt nicht wahr sein. Mein Vater nahm den Hörer in die Hand, blieb erstaunlich ruhig und erzählte, um ein wenig Zeit zu schinden, dass er meine Großeltern mit seiner langen Haarmatte Anfang der Siebziger ganz schön in den Wahnsinn getrieben hätte, ob ich mich an die alten Fotos von ihm in seinem ersten eigenen Wagen erinnere. Dann überlegte er kurz, es knackte ein bißchen in der Leitung, weil das Glasfaserkabel am Telefon meiner Eltern vom vielen Einklemmen in unsere Badezimmertür schon etwas überstrapaziert war. Ich verbrachte damals viel Zeit im hellblaugekachelten Badezimmer im Erdgeschoss unseres Hauses, um nach der Schule mit meiner besten Freundin zu telefonieren und stundenlang all das nochmal durchzuquasseln, was wir eigentlich gerade erst im Schulbus hinreichend besprochen hatten.

Während ich in der winzigen Diele meines Freundes den Telefonhörer in der Hand hielt und die Plakate seiner Punkkonzerte durchzählte, die die rotgestrichenen Wände schmückten, ahnte ich, dass dies einer der wenigen Momente war, in denen mein Vater pädagogisch wirklich nicht weiterwußte. Er entschloß sich für den Waffenstillstand: ich sei jetzt alt genug und solle selbst entscheiden, was ich für richtig halte, sagte mein Papa. Aber damit eins mal klar sei: okay fänden Mama und er es nicht, wie das jetzt gelaufen sei, einfach übers Telefon und so.

Die blaue Farbe in den langen, strohblonden Haaren kam in der Schule irre gut an und wurde im Unterricht sogar von mehreren Lehrern kurz thematisiert. Heute denke ich, dies geschah ganz sicher nur, um meinen Mitschülern im Klassenzimmer zu suggerieren: sooo rebellisch ist das jetzt auch wieder nicht, wir reden ja alle ganz locker drüber und das muss auch deshalb gar nicht erst groß nachgemacht werden. Ich kam mir natürlich trotzdem supercool vor. Was mir niemand gesagt hatte: nach zwei Haarwäschen wurde aus der knalligen Punk-Farbe auf dem Kopf ein ganz häßliches Matschegrau. Die Duschkabine bei uns zuhause im Kinderbadezimmer im ersten Stock war völlig vollgesaut, nach jeder Haarwäsche musste ich die blaue “Directions Colour” mit Viss von den Fliesen und Fugen schrubben. Das Zeug war hartnäckig und ging gar nicht mehr runter. Irgendwann reichte es mir. Man hat ja als Teenager noch anderes zu tun, als auf allen Vieren in der Dusche rumzuschrubben.

Fünf Tage nach der Färbeaktion schnappte ich mir ein “Jetzt”-Magazin, schnitt ein Foto von Chloë Sevigny aus und sagte dem Friseur, er solle mir bitte exakt die Kurzhaarfrisur aus dem Film “KIDS” von Larry Clark schneiden. Und wenn dies nicht ginge, dann wenigstens den “Pixie” von Meg Ryan in “E-Mail für Dich”. Dass Meg Ryan eine extrem lockige Haarstruktur hat und ich eine extrem glatte, darüber machte ich mir damals gar keine Gedanken. Am Ende sah ich auch tatsächlich ein bißchen so aus wie meine damalige Lieblingsschauspielerin Chloë Sevigny. Dies bildete ich mir zumindest sehr stark ein. Ich ließ mir noch ein “Out of bed”-Haargel andrehen, bezahlte achtzehn Mark und verließ überglücklich den Friseursalon “Haar genau” in der Husumer Neustadt.

Als ich abends um sechs mit dem letzten Linienbus, der aus der Kreisstadt in mein nordfriesisches Dorf fuhr, zuhause eintraf, waren meine Eltern und die jüngeren Brüder sprachlos. Anfang der Woche noch blaue Haare, jetzt die Kurzhaarfrisur. Hinten im Nacken war sogar ein bißchen rasiert worden. Meine Mutter ging schnell ins Badezimmer, um sich eine Wimper aus dem Auge zu wischen. Mein Vater sagte noch irgendwas über Langhaar-Frisuren in den Siebzigern. Und dann gab´s Abendbrot. Es wurde der fachlich gut gemachte Haarschnitt des Husumer Friseurs sehr gelobt und irgendwer am Tisch sagte, kurzes Haar würde mir ja tatsächlich ein bißchen stehen. Was sollte man auch sagen, die langen Haare waren ja jetzt ab und die Restfarbe wuchs anschließend noch monatelang häßlich grau-blau aus. Mehr Punk und Teenager-Rebellion -man denke nur an den Trend zum Nasen-, Augenbrauen- oder Zungenpiercing – all das traute ich mich nach der Aktion mit den Haaren dann lieber nicht mehr. War im Nachhinein vielleicht auch besser so.

Foto: Style by Tilda @tumblr

Der Dackelblick

Street style Ocker Curry Brown

In der letzten Woche war ich schon wieder völlig “lost on Tumblr”. Geht immer schnell: ich wollte nur mal eben in meine Lieblings-Tumblr-Blogs reinschauen, prompt waren wieder zwei bis drei Stunden mit dem Durchklicken von superglossy Bildern und tausendmillionen Streetstyle-Fotos vergangen. Das Foto oben ist von The Chanel-Charade. Eigentlich wollte ich dringend mal ein paar Unterlagen für die Steuererklärung 2012 zusammensuchen, da entdeckte ich heute morgen diesen Streetstyle-Blog und war gleich von den hellbraun-ocker-dunkelorange Erdtönen an den zwei Mädels ganz hingerissen. Diese Farben sind schwierig zu kombinieren, aber mit schwarzem Mini, Leggins und Jutebeutel eigentlich ganz cool, oder? Klar, Lippenstift und die ungekämmten Löwenmähnen dürften nicht fehlen, sonst wär´s gleich wieder zu brav.

Ein weiterer Blog, den ich auch länger schon verfolge, ist zum Beispiel “Misszeit”, das Moodboard von Stefanie: “I am in my early twenties and living in a South American country”, schreibt sie. Und dass sie von einem perfekten Leben in Deutschland träumt. Mir kommt´s so vor, als würden alle, die das perfekte Leben in Deutschland leben, dauernd selbst von einem ganz anderen Ort auf der Welt träumen. Zum Beispiel vom dauerwarmen Südamerika. Ich zumindest dachte erst vorige noch, man müsste doch dringend mal ein Jahr in São Paolo leben. Wäre doch irre kosmpolitisch. Um den Jahreswechsel wollte ich unbedingt nach Italien. Schwankt ja dauernd, wohin man gerade gern mal wieder würde.

Aber zurück zu Stefanie: meistens “re-blogged” sie bonbonfarbene, amerikanisch-pariserisch anmutende Fotos, alles sehr schön, wenn auch für meinen Geschmack manchmal einen winzigen Hauch zu rosa, zu royal, zu Upper-Class. Das Moodboard eines Mädchen-Traums, der soooo rosa ja wahrscheinlich nirgends stattfindet, in dem niemand wirklich lebt. Auch nicht in der Upper East Side, in den Hamptons oder in den besseren Pariser Arrondissements.

Eine durchgestylte Tumblr-Welt. Immer die “richtigen” High Heels. Die richtige, lichtdurchflutete Wohnung. Apartments, die auch eine Filmlocation sein könnten. Die Rolex Oyster Perpetual. Akutell gerade auf allen Tumblr-Blogs: “Céline”-Bags in allen Formen und Farbkombinationen. Dann: zauberhafte Blumengestecke. Männer in perfekt geschnittenen Abendanzügen. Überhaupt: die Männer! Solche, die ihr Date nachts auf den Rand eines Springbrunnens heben und die Lippen schürzen. Männer, die ihre perfekt ondulierte Freundin, so eine im schweren, dunklen Pelzmantel (die lässige Art von Pelzmantel), ganz eng an sich drücken, während sie in der freien Hand wahlweise eine große, weiße Shopping-Bag oder einen großen, weiß-eingeschlagenen Blumenstrauß halten. Männer mit Dackelblick, mit verstrubbelten Haaren, in blütenweißen Boxershorts, mit schwer beladenen Frühstückstabletts in der Hand. Manchmal steht noch eine pinke Rose in einer kleinen Vase mit drauf. Das ist der Tumblr-Mann. Wenn ich mir da mal die Berliner Realität anschaue, haha. Ach was, so schlimm ist es ja auch wieder nicht. Der deutsche Mann hat ja auch durchaus seine romantischen (Springbrunnen-) Momente.

Eins ist allerdings klar, liebe Tumblr-Bloggerinnen: der perfekte Mann kann vieles, aber nicht alles. Er kann hinreißend aussehen, während er in weißer Boxer-Shorts das perfekte Rührei zum Frühstück zubereitet. Aber man darf dann halt auch nicht so streng auf seinen winzigkleinen Bauchansatz schauen, der sich vom vielen Rührei mit Buttertoast irgendwann abzeichnet. Er kann einer sein, der kommentarlos in hellrosa Mädchen-Bettwäsche schläft und auch zur Schlafbrille mit den kleinen Glitzer-Krönchen auf den Augenklappen nichts sagt. Aber dann bitte nicht aufregen, wenn er den Dackelblick aufsetzt und den gesamten Inhalt der guten “Hand Relief”-Tube von Aveda innerhalb von zwei Abenden auf seine Pfoten verteilt hat. Oder sich im Badezimmer an der neuen Augencreme vergreift, der ein 1A- “Botox”-Effekt nachgesagt wird und für die wir deshalb auch ein halbes Monatsgehalt hingelegt haben. Der tumblr-Mann mit Dackelblick kann einem nach einer Weile sicher ganz schön auf den Kranz gehen. Wer´s nicht glauben will, muss sich nur ein paar alte Folgen “Sex and the city” mit Tray und Charlotte anschauen. Lohnt sich sowieso immer, schon aus nostalgischen Gründen!

Foto: The Chanel Charade on Tumblr

Spring time!

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Auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: der Frühling ist da! Wie schön sie sind, diese ersten Tage und Wochen, in denen wir wieder viel mehr auf der Straße unterwegs sind, den ersten Espresso in einem Straßencafé bestellen, uns mit einem Straciatella-Pistazien-Eis in den Park setzen.

Heute entdeckte ich auf Tumblr dieses “Winter-Frühling-Übergangsoutfit”. Ihr wißt schon, was ich meine. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Lange Hose, aber keine Strümpfe. Mit Jacke unterwegs, aber wem´s zu warm wird, kann sie jederzeit ausziehen und unter den Arm klemmen.

Die schwedische Bloggerin Elin Kling macht´s auf dem Foto gleich vor: man kombiniert einfach drei klassische Basics, z.B. Röhrenjeans + “Little Black Jacket” + flache, offene Schuhe. Hat doch jede von uns noch zuhause im Schrank, oder? Und dann schnell raus in die Frühlingssonne!

Haare: sunbleached & ungekämmt.
Röhrenjeans: z.B. die FLEX von Acne
Schwarze Jacke / Blazer: z.B. die ALEXA von James Castle
Sonnenbrille: Jede!
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Schuhe:

Würde auch als Hausschuh für Schloßherren durchgehen:
Der Samt-Loafer ”No Code” von TOD´S, via Mytheresa.com
Gibt´s auch in dunkelblau!

Samt Slipper Loafer-TOD-S-VELVET-SLIPPER-STYLE-LOAFERS--STANDARD

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Mit Quasten-Troddeln..
Das Model “Alfred” von House of Hounds, via Asos

Asos House of Hounds Alfred Velvet Slipper Samt Loafer

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Cheap and cheerful!
Der “Basic Slipper” aus Samt von Zara (um 25 Euro).

Velvet Loafers Samt Slipper Zara

Auf dem Foto: Elin Kling. via chanelbagsandcigarettedrags@tumblr