Halbe Sachen

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Erinnert Ihr Euch noch an das Tagebuch der “Bridget Jones”? Es erschien in den Neunzigern, ist also schon eine Weile her. Neulich blätterte ich mal wieder durch die englische Fassung und musste wirklich von Herzen loslachen.

Das Alter ist in meinem Fall zwar glücklicherweise vorbei, in dem ich tagsüber noch jede Kalorie einzeln mitzählte, um es abends in der Bar dann mit 24 (durchaus kalorienhaltigen) GinTonic’s nicht mehr ganz so genau zu nehmen. Das liegt längst hinter uns, bzw. hat sich jetzt über den ganzen Tag etwas besser reguliert, was ja auch gut so ist.

Doch das wunderbar ruckelige Leben der Bridget Jones, ein Leben zwischen Karriereknick und ständig leerem Girokonto, zwischen E-Mail-Flirts, Liebeskummer und viel zu engen Strumpfhosen traf Millionen von jungen Working-Girls damals mitten ins Herz.

Wie unglaublich lustig die Autorin Helen Fielding doch eine Szene beschreibt, in der Bridgets Mutter anruft, um die Tocher zu bitten, ihr mal eben eine Fernseh-Serie mit dem Videorecorder aufzunehmen.

 

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Einzige Herausforderung: Bridget ist bislang nicht dahintergestiegen, wie man ihren Videorecorder programmiert. Sie kann Filme nur abspielen, nicht aufnehmen.

Einige werden sich fragen, warum ausgerechnet Helen Fielding eine weibliche Romanfigur erfand, die zu trottelig war, mit einem Videorecorder umzugehen? Frauenfeindlicher ging´s ja eigentlich kaum. Und das letzte Buch der blitzgescheiten Journalistin hatte sich immerhin noch mit Afrika befasst.

Am Ende klärt sich dann aber glücklicherweise alles auf: Bridget liest sich in die völlig kryptische Bedienungsanleitung ein und als der Aufnahme-Termin näher rückt, ruft sie eine gute Freundin an. Als die nicht helfen kann, ruft sie ihren besten Freund an. Als der fragt, ob sie etwa Scherze, ganz sicher könne er mit seinem Videorecorder keine Filme aufnehmen, das könnte doch nun wirklich niemand, da läßt Bridget es einfach bleiben.

Wie sehr erinnert mich diese Szene doch an meinen eigenen Videorecorder aus den Neunziger Jahren. So sehr ich ihm auch gut zuredete, nie nahm er das auf, was ich gern sehen wollte. Und wenn, dann oft nur den halben Film. Er war mir ein absolutes Rätsel.

Das muss man sich also echt mal vorstellen: ich schaute etwa eine gute Stunde lang “Reality Bites” mit den damals noch verdammt heiß.., äh, jungen Schauspielern Winona Ryder, Ethan Hawke und Ben Stiller.

Alles ganz wunderbar. Film läuft. Winona Ryder: großartig. Ethan Hawke: auch großartig. Ben Stiller: sowieso großartig. Und plötzlich erscheint ein krisselliges, senkrecht verzerrtes Störbild. Ja, was war denn das jetzt? Wo war Winona Ryder? Warum lief jetzt eine alten Folge von “Beverly Hills 90210”? Das Gerät musste sich zwischendrin einfach abgeschaltet haben. Und das passierte ständig. Wie mich das nervte!

Die Autorin Helen Fielding hatte also ganz sicher nichts Frauenfeindliches im Sinn , als sie Bridget Jones an einem Videogerät verzweifeln ließ. Wir verzweifelten in den Neunziger Jahren alle an unseren Videogeräten. Helen Fielding schrieb es einfach nur mal auf.

Danke, liebe Helen Fielding!

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Und welches technische Gerät treibt Euch in den Wahnsinn?

Foto: Videorecorder via ebay ; Briget Jones via Tumblr

 

Sommer im Rheinland

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Sommer. Der Duft von frischgemähtem Rasen und Sonnencreme auf der Haut. Das Rot der pürierten Erbeeren auf dem Spaghetti-Eis. Und jedes Jahr wieder: die ebay-Recherche nach K-Jaques-Sandalen, verblichenen Espandrilles und Vintage-Sonnenbrillen.

Das kaum getragene Brillenmodell “Audrey”  von Céline, das ich bei einer jungen Verkäuferin in Budapest ergatterte. Die 150,- Euro, die ich blitzschnell überwies und mir hinterher nicht sicher war, ob ich nun unglaublich clever oder unglaublich blauäugig gehandelt hatte. Die Erleichterung, als der UPS-Bote tags darauf bereits an der Tür klingelte und mir das kleine, zauberhaft verpackte Express-Paket überreichte. Mein Summer-Look seither: XXL-Brille, super-olle, schwarz- verblichene American Aparel-Leggins und strähniges Sommerhaar.

Mein zweiter Sommer am Rhein! Die Rheinwiese, das Sommerufer. Abends nach der Arbeit noch ewig im Gras zu hocken und quer durch die Kindle-App-for-iPhone zu lesen. Das Schokoladeneis von “Pia”-Eis in der Kasernenstrasse, es ist in diesem Jahr meine Lieblingssorte. Die Abendsonne, die die Beine in den hellblau-verwaschenen Jersey-Shorts immer wieder nachbräunt.

Überhaupt! Auf der Rheinwiese den Sommergedanken nachzuhängen.

Die Spatzen, wie sie auf dem Dach der Kunsthochschule so unablässig den Sommer bejubeln.

Und meine winzige “Straße”: drei Häuser und eine prächtige Kunstakademie, aus der es, wenn die Fenster weit offen stehen,  herrlich vertraut nach Ölfarbe und Terpentin herausdünstet, nach Schweiss, Talent und frischbemalter Leinwand. Ein Geruch, den ich immer mit Düsseldorf zusammenbringen werde.

Aus dem Off die klapprige Straßenbahn, die alle 12 Minuten über den breiten Fluss zuckelt und in Oberkassel bei den Zwergkaninchen hält.

Bei den kleinen, flauschigen Wesen, die mit beiden Pfoten Löcher in den Rasen buddeln und mit den Hinterläufen einen aberwitzigen Sandstrahl in die Luft jagen.

Das Licht über dem Rhein, spät abends, wenn der Himmel von Rosé über Hell-Lila ins Blauschwarz abtaucht. Die Nacht über dem Fluss und die Kraft, die er im Dunklen noch besitzt.

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Und Ihr? Habt Ihr auch gerade eine zweite Stadt, in der ihr viel Zeit verbringt?

 

Foto: petersen_melanie via Instagram

Happy, happy

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Gestern war es mal wieder soweit. Ich feierte meinen Geburtstag. Aus Furcht, mir könnte während der Arbeitszeit etwas schiefgehen, verbrachte ich den Ehrentag in diesem Jahr lieber nicht im Büro.

Wäre es nicht ärgerlich, morgens in Champagnerlaune in die Firma zu düsen und gegen Mittag an einem verstopften Kopierer zu verzweifeln?

So sehr ich mich auch freue über selbstgebastelte Gutscheine, selbstgebackene Kuchen und selbstgesungene Ständchen – wenn der Kopierer streikt, kann man die Partylaune der geladenen Kollegen aber mal ratzfatz in den Papier-Schredder schieben.

Auch ist der Kopierer ein nicht ganz ungefährliches Gerät. Wie oft brach ich mir beim Öffnen von “Seitenfach F” einen Fingernagel ab? Wie oft verbrannte ich mich im Inneren der Maschine an einer heißen Walze oder schnitt mir beim Herausfummeln einzelner, messerscharfer Papierfetzen in den Zeigefinger?

Wer viel Zeit in der Firma verbringt, weiss: Alltag im Büro ist auf seinem beschränkten Handlungsraum zwischen Schreibtisch und Rollcontainer, Konfi, Kaffeeküchte und Klo zwar oft unglaublich spaßig, aber nicht unbedingt eine Aneinanderreihung sagenhafter Sternstunden.

Nicht alle 365 Bürotage im Jahr (minus 52 Wochenenden und 30 Urlaubsstage) liefern nonstop Stoff für scharfsinnige Sitcoms.

Weder wird im Büro ständig gut gekleidet die Welt regiert ( “House of Cards”), noch wird Cognac und Whiskey aus Kristallschwenkern gepichelt oder auf durchgesessenen Zweisitzern ein Nickerchen gehalten (“Mad Men”). Bedauerlicherweise pferchte sich in meinem Beisein auch noch kein Abteilungsleiter einen tausend Euro teuren Massagestuhl ins winzige Zimmer (“Stromberg”).

Dafür wurden einige meiner Chefs von Kollegen verehrt wie eine Art Übervater (ähnlich wie Martin Sheen als POTUS in “The West Wing”). Kaum ein angeschmachteter Vorgesetzter konnte allerdings über Monate hinweg das Gag-Niveau der lustigen Julia Louis-Dreyfus halten (“The Veep”) und wenige waren so sexy wie mein Lieblings-TV-Anwalt, der testosterongesteuerte Ari Gold  aus “Entourage”. Nicht extra betont werden muss wohl, dass manche sich jedoch für mindestens so sexy hielten.

Es liegt also auch am Personal, das nicht alle Arbeitstage das Zeug dazu haben, Fernsehgeschichte zu schreiben.

Und gibt´s nicht einen besseren Schauplatz für die Geburtstags-Feierei?  Mein Lieblingssetting ist immer noch: die eigenen vier Wände.

Ist es nicht so viel besser, den Ehrentag bis weit in den Vormittag hinein im Bett zu verbringen? Und ist es nicht viel entspannter, irgendwann kurz vor der Mittagszeit in Richtung Frühstückstisch zu bummeln, barfuß, ungeduscht und mit Pumuckel-Haaren? Ist es nicht wunderbar, im Pyjama am buntgeschmückten Tisch eine Kerze auszupusten und sich voll stummer Vorfreude etwas für das gerade erst begonnene Lebensjahr zu wünschen?

Die besten Geburtstage sind eben die, an denen Zeit ist für Pyjamaparties am Küchentisch. Zeit, um nach dem Pusten noch zwei Atemzüge lang in den Kerzenrauch hineinzuschnuppern. Zeit, sich darüber zu freuen, dass man diesen besonderen Tag überall feiert, nur eben: nicht im Büro.

Viel Zeit, die Office-Sitcom also einfach mal auszusetzen und bei Kerzenschein einen Kuchen anzuschneiden mit einem Menschen, der einem sehr wichtig ist.

Foto: TheGlitterGuide via Tumblr

Zurück

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Ich dachte, ich melde mich mal wieder zurück. Ein Jahr lang schrieb ich nichts, völlige Stille. Ich postete nicht mal einen Lieblings-Song. Im Herbst dachte ich noch: so geht´s doch nicht weiter. Und dann kam der Winter. Und es war genau so weitergegangen. Ich hatte keine einzige Zeile geschrieben.

Im Frühling raffte ich mich auf. “Jetzt geht´s hier endlich wieder los”, nahm mir vor. Und dann? Dann wusste ich erstmal nicht so richtig, wie.

Ich mochte nichts, was ich so zusammentippte. Nach einem langen Tag im Büro war ich abends müde, oft auch einfach zu faul. Ich kramte lieber im Kühlschrank herum, aß Milchschnitten und verbrachte endlose Stunden auf Modeseiten im Netz. Dinge, man halt so macht, wenn man unter der Woche in seiner “Dienstwohnung” hockt.

Aber jetzt ist er zurück, der Sommer. Und hier wird’s auch endlich wieder weitergehen.

In den nächsten Wochen berichte ich darüber, wo ich in letzter Zeit so steckte (meistens in meiner neuen Zweit-Heimat Düsseldorf), warum ich nicht mehr schrieb (weil ich einen irre aufregenden Job antrat) und was ich in den letzten 52 Wochen so erlebte (superviel!).

All das, ab sofort, genau hier. Ich freue mich auf Euch!

Habt einen entspannten Start in den Sommer. Bin ICH froh, dass er wieder da ist.

 

Foto: Smallgirlblogging via Tumblr

 

Hobby-Detektive

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Erinnert Ihr Euch noch an unsere Pullis mit dem “oui”-Aufdruck ? Genau! Das waren die Sweatshirts, die man uns kurz vor Weihnachten mit Karacho aus dem Onlineshop kärcherte. Und das auch aus gutem Grund: das Markenrecht für “oui” gehört seit vielen Jahren einem sehr etablierten, deutschen Modeunternehmen.

Weil die Pullis so irre gut bei uns im Online-Shop liefen, hatte ich im vorigen Winter  die Idee, in einer illegalen Aktion noch weitere, ahnungslose Marken raubzukopieren. Diesmal wollte ich mich an Pullis mit dem Aufdruck “Céline” wagen.

Allein würde ich es nicht schaffen. Ich beauftragte also einen Headhunter, der mir nach einem zeitintensiven Recruiting-Prozess empfahl, die Top-Talente Tim, Karl, Klößchen und Gabi bei PETERSEN anzustellen (Gabi brachte noch den Raubkopier-Bürohund Oskar mit). Bevor sie Ihren Arbeitsvertrag mit unsichtbarer Detektiv-Tinte unterschreiben durften, mussten die vier Kids zwei unfassbar förmliche Bewerbungsgespräche mit mittelwichtigen Executives von PETERSEN überstehen und eine halbstündige Strategie-Präsentation zur Neuausrichtung des Markenraubkopiergeschäfts ausarbeiten.

Hinterher konnte ich das Gehalt der vier Hobby-Detektive noch um ein Drittel herunterhandeln. Unter Protest zwar, aber hatten sie eine Wahl? Ich kürzte auch die Urlaubstage noch auf insgesamt 12 Stück zusammen (“Heiligabend ist ein zusätzlicher Urlaubstag, also kommt man am Ende auf 13 Feiertage, wenn Heiligabend nicht auf ein Wochenende fällt. Leute, supercool, oder?”). Ich stellte ihnen einen befristeten 1-Jahresvertrag mit einer Probezeit von 6 Monaten aus. Nicht, dass die vier neunmalklugen Knirpse sich einbildeten, sie könnten ausgerechnet in der Berliner Digitalbranche einfach mal so easy-popeasy unbefristet festangestellt werden. Wer nicht weiß, ob sein befristeter Vertrag wieder verlängert wird, arbeitet doch einfach viel effektiver, ist seltener krank, lungert nicht ständig an der Kaffeemaschine herum, beschwert sich nicht über seine inkompetenten Kollegen, hat nicht dauernd die Social Media-Webseite mit blauem Balken am Rand offen, traut sich schon mal gar nicht, vor 19.30 Uhr Feierabend zu machen und bastelt keine merkwürdigen Urlaubs-Konstruktionen um Brückentage herum. Einen besseren Standort für mein Raubkopier-Business konnte ich also innerhalb Deutschlands  gar nicht finden. Ich überwies meinem Headhunter für seine ausgezeichnete Arbeit 150.000 Euro plus Bonus, überließ ihm für eine Woche mein Ferienhaus samt Personal auf Ibiza und war fortan die glücklichste Arbeitgeberin der Stadt.

Während unserer morgendlichen Detektiv-Meetings planten Tim, Karl, Klößchen, Gabi und ich bei Kakao und rosinenfreien Milchbrötchen das wildeste Markenkopie-Konglomerat seit Zerschlagung des Fälschungsrings um die “Windsurfing Chiemsee”-Pullis. Tim hatte uns auf ebay den Account “cELineBeRlin” gesichert. Wir fünf warteten im Prinzip auch nur noch darauf, dass die neue Ausgabe des Y.P.S.-Magazins auf den Markt kam, in der es eine ausfaltbare Siebdruckmaschine aus Well-Pappe für unseren Konfi geben sollte. Diese Ausgabe musste jeden Moment am Kiosk erscheinen. Als wir bereits kostbare Wochen verloren hatten, schrieben wir einen ungeduldigen Leserbrief an die Y.P.S.-Redaktion.

Wenig später traf Post aus München ein. Nicht -wie erhofft – von Y.P.S. Sondern von einem sehr seriösen Modeunternehmen. Wir sollten doch bitte die Raubkopiererei mit den Pullis mal so langsam einstellen. Man habe unser freches Gefälsche aus der Ferne schon länger beobachtet und mittlerweile die “Drei Fragenzeichen” auf uns angesetzt. Wenn es mit unseren Fake-Pullis so weiterginge, würde man aus Rocky Beach demnächst mal jemanden rüberschicken, der uns unsere Detektivkoffer zockte und meine treuen Mitarbeiter Tim, Karl, Klößchen und Gabi nach Feierabend zur Gründung eines Betriebsrats anstiftete. Und dann könne ich neoliberale Start-up-Angeberin aber mal sowas von einpacken.

Was macht die Jungunternehmerin mit irre viel Ambition und großer Klappe, wenn sie Post vom Amt bekommt? Sie gibt sofort klein bei. Hey, nicht, dass mir mein hippes Detektivteam noch abhanden gekommen wäre. Und wer hätte mir morgens im Büro denn meine “Flat Whites” an den Eiermann-Tisch gebracht? Ich milchschäume doch an der Küchenzeile nicht stundenlang selbst herum. Ich bin mir sicher: nicht mal Oskar, den verlausten Raubkopierhund, hätten die undankbaren Kids mir dagelassen.

Ich unterließ also sofort die Produktion von Pullis mit französischen Vokabeln auf der Brust. Meine Co-Worker blieben dort, wo sie waren: in meinem Konfi. Ich terrorisierte sie allerdings nun nicht mehr so oft mit kleingeistigen, unnötigen Team-Meetings. Gabi und Hund Oskar brachten während einer Besprechungs-Pause alle verdächtigen Textilien in ein Tierheim, wo diese kurzerhand zu Kuscheldecken für ausgesetze Hundewaisen umfunktioniert wurden und man uns für unsere großzügige Spende mit einem sehr wichtigen Berliner Tier-Charity-Preis auszeichnete. Die viralen Marketing-Maßnahmen zu unserem Charity-Event, die meine vier Digital Natives mit ein paar steinalten Laptops kostengünstig inhouse selbst produzierten, bescherten uns über Nacht grandiose 100-k neue Instagram-Follower.

Die Stimmung besserte sich! In der folgenden Woche gab Klößchen zum allerersten Mal eine ganze Tafel Schokolade aus. Unser Raubkopier-Hund Oskar zerlegte unter dem Konferenztisch einen Kauknochen, den er sich brav von seinem ersten, eigenen Hunde-Gehalt bei PETERSEN gekauft hatte (man kann den jungen Leuten ja jetzt auch nicht immer ALLES bezahlen). Und Tim, das crossmediale Ausnahmetalent, stellte uns eines Abends eine neue Strategie für unser Unternehmen vor.

Zum Jahreswechsel gründeten wir ein über die Samwer-Brüder (Jamba, Zalando, Rocket Internet) voll durchfinanziertes Start-up. Unsere Geschäftsidee: eine Frühstücks-Lieferservice-App für warmen Kakao und rosinenfreie Milchbrötchen. Wir raubkopierten diese Business-Idee so ein bißchen von unserem lieben Freund Flori vom “Joris” (Brunnenstrasse 158, Berlin). Der heiße Junggastronom war noch keine Dreißig und hatte gerade seine zweite “Joris”-Dependance eröffnet, diesmal eine in Hamburg (in der City Nord). Und was DER mit Ofenkartoffeln und Salat konnte, das würden wir – Tim, Karl, Klößchen, Gabi und ich -, mit Kakao und Milchbrötchen ja wohl auch noch hinkriegen.

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In diesem Monat gratulieren wir:

Flori vom “Joris”! In der Hamburger City Nord hat er sein zweites Restaurant eröffnet!
Liebe Hanseaten, schaut dort unbedingt mal vorbei und grüßt ihn sehr herzlich von uns: “Joris Hamburg”, Mexikoring 19

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In diesem Monat gelesen:

“Lean in” von Sheryl Sandberg

Ein Buch, das Kika von der “Raetherei” und Susanna R. unabhängig voneinander in derselben Woche empfahlen. Ich hatte es einige Monate zuvor kurz angelesen und dann in mein Buchregal geschoben. Jetzt laß ich den Rest. Sheryl, you go, girl!).

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In diesem Monat gesehen:

die ersten Folgen der 3. Staffel von “House of Cards”.

Wie das hier in Deutschland möglich ist? Das haben mir Lotta, Jessica und Christoph neulich erklärt: 1. anmelden bei “Netflix”-Deutschland. 2. ein einschlägiges Programm aus dem Netz herunterladen, welches die deutsche IP-Adresse unseres Rechners verbirgt (wie, weiss jeder Nerd im Freundeskreis). Und dann viel Spaß mit “House of Cards”! Am besten, man loggt sich für “House of Cards” über die amerikanische Netflix-Seite ein (netflix.com).

(Wenn´s nicht klappt, hilft ein Rechner-Neustart oder ein Browser-Wechsel. Es ist aber wirklich einfach!)

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In diesem Monat wiedergehört:

“Mykonos” von den Fleet Foxes. Weil wir Griechenland so lieben – und dies in den letzten Wochen aus aktuellem Anlass noch ein bißchen mehr. Deshalb heißt unsere neue, schwarz-weiss gestreifte Strandtasche auch “Mykonos”. Und wer noch keine Urlaubspläne hat, fährt in diesem Jahr unbedingt mal hin. EasyJet fliegt einmal die Woche direkt nach Mykonos-Stadt. Wir waren vor 2 Jahren im September da – und fanden es herrlich!

Warum ich unbedingt immer mal nach “Mykonos” wollte? Weil eine Zeit lang kein Tag verging, an dem ich “Mykonos” von den “Fleet Foxes” nicht 40 Mal hintereinander abspielen musste:

…hier geht´s zum Glastonbury-Video! Unbedingt auf die Gummistiefel -Röhrenjeans der Jungs achten! Hot, hot, hot.

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Und Ihr? Was lest Ihr gerade, wo geht Ihr mittags hin, was schaut Ihr Euch abends auf der Couch an?

Ein schönes Wochenende Euch!

Foto: via Tumblr

Musikerfreunde

Ed Sheeran Taylor Swift performing I see fire

Erinnert Ihr Euch an die PETERSEN-Spotify-Hitlist “You were always on my mind”? Während der Recherche für die Playlist stieß ich ganz unerwartet auf den jungen, englischen Folksänger Ed Sheeran. Und war sofort verliebt in das Schreib- und Sing-Talent mit dem zauseligen Vogelnest auf dem Kopf.

Der Musiker arbeitete schon jahrelang sehr fleissig an seiner Karriere und ist längst (und völlig verdient) bei einem Major Label untergekommen. Dies entging auch der US-Countrysängerin Taylor Swift (“We are never ever getting back together”) nicht. Kaum hatte sie mitgeschitten, dass in England ein junger Songwriter von sich reden machte, ließ Taylor ihn zu sich in die Staaten einfliegen.

Wie lautet noch die uralte Business-Regel? Kannst Du Deinen Feind nicht besiegen, tu Dich lieber schnell mit ihm zusammen. Gesagt, getan: Ed und Taylor schrieben für Taylors Platte “Red” gemeinsam das Duett  “Everything has changed”. Und seither tauchte Ed auch immer mal wieder als Überraschungsgast auf Taylor Swifts Konzerten auf – und Ed auf Taylors! Und wer sich gleich das Video anschaut, wird bestätigen: irgendwas liegt doch zwischen den beiden schwer in der Luft. Nicht, dass sie jetzt offiziell zusammen wären. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass Ed und Taylor abends nach ihren Konzerten öfters noch ETWAS länger an der Hotelbar herumhocken, sich nerdmäßig über Gitarren-Plugs unterhalten und dabei flaschenweise “Corona” wegpicheln. Huhu, Ihr zwei, Ihr macht es ja SO richtig. Wann im Leben hat man denn bitte jemals wieder die Zeit, bis morgens um halb neun strunzbesoffen an der Hotelbar herumzuflachsen?

Dieses zauberhafte youtube-Video zeigt Taylor und Ed auf einem kurzen gemeinsamen Auftritt in Berlin im vorigen Jahr. Ed und Taylor singen auf Taylors Konzert zusammen “I see fire”. Schaut mal rein, ist es nicht hübsch…?

Und wer es bislang nicht wusste: Ed Sheeran schrieb “I see fire” exklusiv für den zweiten Teil der “Hobbit”-Triologie “Desolation of Smaug”. Nicht, dass ich ein solch großer Hobbit-Fan wäre. Aber es interessierte mich dann doch, wie Ed zu der Ehre gekommen war, ein Lied für den “Herr der Ringe”-Regisseur Peter Jackson schreiben zu dürfen. Ich warf “Wikipedia” an und dort stand es: Peter Jackson´s Tochter, Neuseeländerin, Teenagerin und ganz offensichtlich Musikfan, hatte im vorigen Jahr ein Ed Sheeran-Konzert besucht (der junge Musiker tourte damals gerade durch Down Under). Kaum dröhnte die neue Platte in Endlosschleife durch die Jackson-Hütte, kam auch der Vater (und Regisseur) um den Ed-Sheeran-Hype nicht mehr herum. Und weil es gerade gut passte, ließ er dem Musiker ausrichten, dass er für seinen zweiten “Hobbit” ziemlich pronto noch einen Song für den Abspann benötige.

Songwriter Sheeran rückte an und schrieb, was das Zeug hielt. In “I see fire” werden die letzten Momente einer kleinen Stadt am Seeufer besungen. Jahrelang hatte man dort – unter einem widerlich fetten Herrscher zwar-, aber dennoch ruhig vor sich hingelebt, bis eine Schar Hobbits den bösen Feuerdrachen Smaug aus seinem Schlaf weckte.

Das böse Viech Smaug hatte mehrere Jahrzehnte lang in einer Berghöhle auf einem Goldschatz geschlafen. Und war nun just in diesem speziellen Moment geweckt worden, in dem man den vermutlich wertvollsten Edelstein aus seinem Schatz stehlen wollte. Der Drache, man ahnt es, ist außer sich vor Wut. Dass Feuerdrachen direkt nach dem Aufwachen sehr leicht mit dem falschen Fuss aus ihrem Goldschatz steigen, hätte man sich vermutlich denken können. Es folgen dramatische Szenen, die ich im Kino unter meiner dicken Winterjacke vor lauter Gegrusel lieber mithörte.

Wer mag, kann sich das Lied in der Originalversion hier noch einmal ansehen. Ed Sheeran spielt, frisch ins neuseeländische Musikstudio eingeflogen, “I see fire” ein und wird in der dritten Videominute ganz kurz von Peter Jacksons Teenie-Tochter mit dem iphone gefilmt.

Und Ihr? Welche Live-Auftritte schaut Ihr Euch gerade auf youtube an?

 

Wir haben uns.

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Huhuuu. Ich mache mich diese Woche mal voll locker. Und Ihr? Auch so megaentspannt? Nee, quatsch, bevor hier gleich die ersten wutentbrannt das Browserfenster dichtmachen: ich bin natürlich NICHT voll tiefenentspannt. Sind ja nur noch ein paar Tage bis Weihnachten. Wie könnte ich also tiefenentspannt sein. Ausgerechnet jetzt. Dauernd poppt doch noch irgendwas Oberwichtiges auf, im Büro ein einziges “Land unter” und es muss natürlich unbedingt bis zum Jahresende dringend noch so halbwegs überall Klarschiff gemacht werden.

Mein Schreibtisch zuhause gleicht mittlerweile einem einzigen Müllhaufen. Wenn unser Nachbar von oben klingelt, um etwa eine Bohrmaschine auszuleihen (auch dort wird scheinbar vor Jahresende handwerkermäßig noch einmal Gas gegeben, bin ganz beeindruckt..), nun, wenn´s klingelt, werfe ich zur Zeit blitzschnell die Tür zum Arbeitszimmer zu. Nicht, dass mir dort jetzt im Moment noch jemand frech reinluschert. Und es fehlt mir auch gerade noch, dass man mich mitleidig fragt, ob ich die Bohrmaschine denn überhaupt entbehren könne, so “beschäftigt”, wie´s dort drüben im Arbeitszimmer scheinbar aussähe, da stünde mir bis Heiligabend aber noch einiges an Gewerkel bevor.

Nachbarn werden also gerade nicht reingelassen. Zalando- und Amazon-Pakete für andere reiche ich durch die halbgeschlossene Wohnungstür durch. Bohrmaschinen auch. Selbstgebackene Kekse gibt´s bei mir in diesem Jahr keine. Selbstgebackenes von anderen hingegen nehme ich selbstverständlich jederzeit gern entgegen. Neulich hatte im Büro jemand Vanillekipferl dabei. Selbstgebacken. Puh, waren die gut. Kurz dachte ich mir: ach, komm, ich mach´ heute abend auch noch “schnell” welche. Aber dann war´s plötzlich Mitternacht. Vierundsiebzig E-Mails später und immer noch keine Vanillekipferl im Ofen. Nicht mal ansatzweise. Na und? Es hat sich in meinem Haushalt bislang auch noch niemand beschwert. Vermutlich traut sich keiner. Können ja dann selbst Kekse backen, wenn die Herrschaften welche haben wollen.

Und überhaupt: ich bin jetzt gerade froh, dass ich halbwegs noch zum Duschen komme. Haare werden seit Dezember im unregelmäßigen Rhythmus gewaschen. Ist eh besser für die. Und dann abends immer schön die Wollmäuse aus dem unteren Haarbereich rauskämen. Meine Schals verreiben die Haare im Nacken zur Zeit in eine dermaßen schlimme Filzlauserei, wenn ich nicht aufpasse, habe ich bis zum Frühlingsbeginn funky Dreads wie Bob Marley.

Damit die Haarspitzen jetzt im Winter nicht zu trocken werden, reibe ich immer mal wieder ein paar Handvoll “Haaröl” von WELEDA in den unteren “Föhnbereich”. Eine frühere Blog-Empfehlung von Okka und Marlene. Bin schwer begeistert.

Ist er nicht auf ´ne Art auch bereinigend, der Jahresabschluss? Neulich berichtete mir mein Freund von einer ehemaligen Kollegin, die ihm eine ganze Mittagspause lang erzählt hatte, wie sehr sie in diesem Jahr zur schwer erhellenden Erkenntnis gelangt sei,  dass der elendige Perfektionismus doch die Wurzel allen Übels wäre.

Ich war ganz Ohr. Dass Perfektionismus völlig überbewertet wird, das ist ja seit einer Weile auch meine heimliche Theorie. Irgendwie merkwürdig. Es muss das Alter sein. Oder unsere Zeit. Perfektionismus ist scheinbar nur noch was für überambitionierte Streber. Oder für Menschen, die in den Human Ressources-Departments dieser Welt arbeiten. Kann man das jetzt einfach mal so platt herunterbrechen. Ich finde: ja. Warum denn nicht? Nichts gegen die netten Menschen aus den Personalabteilungen. Nein, nein. Ihr seid ja gar nicht gemeint. Aber ganz ehrlich: wer Lust hat, klickt heute abend bei “Monster.de” einfach mal auf ein x-beliebiges Jobangebot eines mittelständischen Unternehmens in der deutschen Provinz und verzweifelt nicht, sondern schmunzelt bitte auf der Stelle über derart mickeymausartig überzogene Personal-Anforderungen, die nicht mal die Merkel erfüllen könnte. Und die ist mal tough. Und top ausgebildet. Und kein bißchen auf die Schnauze gefallen. Und lässt sich ja wohl von niemandem auf die Theke scheißen (um es mit einem meiner absoluten Lieblingsquotes von Alexa zu sagen).

Deshalb schreibe ich jetzt mal: Spießer, Überperformer und Perfektionisten, Ihr seid “buh”.

Diese Behauptung kommt mir jetzt eh gerade sehr gelegen, wenn ich da jetzt an mein Arbeitszimmer und die noch nicht gebackenen Vanillekipferl denke.

Schmeißt all Eure übergeschnappten Weihnachtsambitionen aus dem Fenster. Kocht und backt, was ihr wollt. Und nicht das, von dem Ihr denkt, dass andere denken, dass Ihr es kochen und backen müsstet. Schenkt was kleines. Oder gar nichts.

Die Hauptsache ist nämlich immer noch: wir haben uns. Und wir sind gesund und munter beieinander. Vor wenigen Tagen erst machte mich ein Ereignis im Bekanntenkreis ganz still und traurig. Und ich erinnerte mich zurück an ein furchtbar trauriges Ereignis aus dem vergangenen Jahr. Es zeigte mir, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass wir so schön beeinander sitzen, alle zusammen, die Kleinen und die Großen.

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Happy 2. Adventwoche Euch allen! Macht´s Euch schön.

P.S. Träumt von einem Sommerbad im See. Mache ich auch gerade. Ach, Sommer, wie freu´ ich mich auf Dich.