Die “Blah blah”-Decke

Es gibt bei uns Designern oft so einen Moment, da sieht man etwas (vor allem auf einer der unzähligen Seiten, auf denen man im Internet gerade mal wieder völlig wahllos unterwegs war)… Ja, also da entdeckt man etwas und findet es so schön, dass man zunächst die Luft anhält – und dann mit einem hochrotem Kopf den Laptop-Deckel herunterknallt. Weil man es – ja, das ist eine schlimme Designerkrankheit – selbst so gern entworfen hätte und das Produkt so fantastisch findet, dass man es kaum aushält.

Neulich hatte ich wieder so einen schwachen Moment. Meine ehemalige Kollegin Lorraine hatte mir die Website der britischen Strickdesignerin Donna Wilson zugeschickt und geschrieben “Schau mal drauf, wird Dir sicher gefallen…” Weil ich Lorraines Geschmack blind vertraue, klickte ich gleich auf den Link. Die Seite öffnete sich und ich war auch sofort ganz hingerissen von all der wunderbaren Wilson´schen Regenwolkenkissenwelt. Aber dann entdeckte ich die “Blahblah”-Decke. Ich schloss SOFORT das Browserfenster und sprang vom Stuhl auf. Goddamnit. Die Decke war ja einfach soooo lässig. Und ich hätte sie, ich geb´s zu, selbst gern entworfen. Aber jetzt gab es sie schon. Von “dieser” Donna Wilson. Tssss…. Irgendwie schaffte ich es, mich wieder in den Griff zu bekommen. Es war nicht ganz einfach, aber es ging dann wieder. Richtig coole Sachen von anderen Leuten, sagte ich mir, bringt ja auch immer die Qualität der eigenen Entwürfe voran. Wohingegen Super-Schrott von Schrott-Designern einfach nur Schrott ist und Stillstand bedeutet. Es sei denn, es ist cooler Super-Schrott. Aber das führt dann jetzt auch wirklich zu weit.

Also, liebe Donna: herzlichen Glückwunsch! Es ist eine der coolsten Decken, die ich jemals gesehen habe. Du weisst jetzt, ich sage dies nicht ganz -ähem- neidlos, aber am Ende doch noch von Herzen.

Foto: Donna Wilson, Safari Living