This must be the place

Bin ich froh, dass ich in diesem Jahr keinen einzigen (über-)ehrgeizigen Vorsatz habe! Zumindest bis heute nicht, und es ist immerhin schon der 3. Januar. Mein Vorhaben für dieses Jahr: einfach unkoordiniert drauflosmachen. Im Ernst. Fuck the big plans. Es kommt ja doch immer alles ganz anders, als man es sich vorgenommen hatte. Klar, kurz vor Sylvester begann ich schon wieder darüber nachzudenken, was im Neuen Jahr alles ganz ungeheuer bahnbrechend anders gemacht werden müsse. Mehr Bücher lesen! Mehr Zeitung lesen! Mehr verreisen! Organisierter sein! Und effizienter. Mehr Sport! Mehr dies! Mehr das! Aber warum eigentlich? Klar, mehr verreisen, das ließe sich wohl einrichten. Aber ich bin auch einfach sehr gern hier, in Berlin. Und es wird mir wohl niemand glauben, aber in der Schröderstrasse wacht jeden Morgen eine “Zugezogene” auf, die sich auch nach 6,5 Jahren in der Hauptstadt noch einen Wolf darüber freut, hier gleich einen Espresso Macciato und ein Croissant vom Ostbäcker (welches in Paris selbstverständlich um Welten besser wäre) zu frühstücken. Und auch das ist wahr: seit sechseinhalb Jahren summe ich ganz oft beim Kaffeekochen diese eine Songzeile des legendären “Talking Heads”-Songs “This must be the place”: “Home – is where I want to be. But I guess – I´m already there….”

Viel Spaß hat es mir gemacht, die Neujahrsblogs und – berichte anderer Blogger zu lesen. Wie beruhigend für mich, weil es mir genauso geht: alle wünschen sich für 2013, dass vieles einfach mal kurz so bleiben kann, wie es ist. Ganz genau so. Auch schön, oder? Allgemeine Zufriedenheit. Haaach. Kurz vor Weihnachten schrieb Okka: “Wünsche für 2013: Vielleicht ein bisschen weniger Chaos, aber eigentlich nur: ein weiter so.” Alexa verriet gestern auf Journelles.de ihr größtes privates “to do” für 2013: “mehr Zeit für die Familie”. Und was hat Journelles-“Chefin Jessie aus dem Jahr 2012 gelernt? “Augen zu und durch funktioniert, harte Arbeit zahlt sich aus und Ungewissheit kann der grösste Antrieb sein.” Fast hätte ich an dieser Stelle auch Marlene´s Post zum Neuen Jahr von gestern komplett aus spruced.us herauskopiert und hier eingefügt, so sehr Recht hat sie mit allem. “Erstmal genieße ich noch das Gefühl von Tag 1”, schreibt sie. Geht mir an Tag 3 des Jahres immer noch ganz genau so.

Die kalifornische Bloggerin Anne Sage schaut in ihrem Neujahrspost konsequent einfach mal NUR auf das, was ihr im vergangenen Jahr gelungen ist:
“Here’s a smidgeon of the joy, of what I did accomplish. I watched a school of dolphins jump through the waves from a dinghy in the Santa Barbara Harbor. I hugged a redwood tree for the first time. I learned how to check the oil in my car. I signed a lease on an apartment–only my name is on there, no one else’s. I made a budget spreadsheet to be sure I could afford said apartment. I turned 30. I started reading poetry again. I started writing poetry again. I had dinner with friends and we laughed so hard that the sound of our laughter made us laugh even harder. I did the splits (zu deutsch.: einen Spagat) on a stage at the Target 50th Anniversary party in New York (no one saw. But I did it.)” Huch, Spagat. Da müsste man mich anschließend aber umständlich hochheben und von der Target-Anniversary-Bühne hinuntertragen. Und damit hätte es dann auch definitiv JEDER mitbekommen…

Lotta und Kika haben auf Raetherei schon mal in ihr Vogue-Jahreshoroskop geschaut. (Das mache ich jetzt unter meiner Wolldecke auf der Couch auch gleich!) Und Lis sieht sich bei HAY neue Möbel für Ihre Wohnung an.

Habe ich jetzt die Neujahrswünsche eines tollen Blogs vergessen? Ganz bestimmt! Aber -hey – Ihr kennt doch alle noch viel bessere Blogs! Ich bewege mich, ultrakonservativ und klickfaul wie ich bin, ja auch nur auf meinen üblichen drei Lieblings-Webseiten. Und will eigentlich eh ein bißchen weniger online sein, weil ich einer gewissen Person, mit der ich in einem Haushalt lebe und die meinetwegen extra das Wohnzimmer umgeräumt hat, versprach, dass die Abende ab jetzt wieder offline verbracht werden, damit wir z.B. grandiose Konzertvorbereitungsvideos von JAY-Z schauen können.

Macht also Pläne – oder macht keine! Hört mal wieder ein paar Talking Heads-Songs (zum Beispiel auf meiner Musikwebseiten-Entdeckung des Jahres: spotify.com). Wer sportlich ist, übt den Spagat (ich mach´s nicht). Wer unsportlich ist, geht einfach mal wieder an die frische Luft (das mache ich gleich morgen früh, mit einer Brötchentüte vom Ostbäcker in der Hand). Noch Fragen? Nee? Na dann!

Photo by The City Sage

Foto: aus dem Neujahrspost von Anne Sage/The City Sage