Lena Dunham

Wer ist eigentlich die coolste Socke, die es im Fernsehen gerade so gibt?
Lena Dunham!

Wer ist das denn? Huch? Wer die kurvige, kleine New Yorkerin bis heute noch nicht kennt, muss die kompletten Feuilletons der letzten sechs Monate ja einfach ungelesen weggeschmissen haben. Also: Lena Dunham, 1986 geboren, Tochter von New Yorker Künstler-Eltern, hat eine kleine Schwester (die manchmal in Lena´s Filmen auftaucht) und studierte Creative Writing in Brooklyn. Dunham ist Filmemacherin (“Tiny Furniture”). Ihr neuster Coup: die subversiv-geniale TV-Serie “Girls”, die sie schrieb, produzierte und mit der Figur “Hannah” auch gleich selbst eine der Hauptrollen übernahm.

Warum ist das cool? Es kommt wirklich nicht oft vor, dass jemand, der so jung und so “indie” wie Lena ist, die Chance bekommt, sein Lebensgefühl einfach mal in die Welt hinauszuschicken. Und dass im sich mit Test-Screenings permanent rückversichernden, amerikanischen Fernsehen! Und wenn dieser junge Mensch auch noch etwas über das Erwachsenwerden zu sagen hat und Dialoge schreiben kann, in denen das Wichtige manchmal gerade NICHT gesagt wird, sondern in wenigen, verwackelten Bildern einfach nur gezeigt wird, dann ist das  – ja – schon echt cool.

Und worum geht´s da eigentlich? Es geht um das Lebensgefühl der New Yorker Post-University-Kids – um etwas, dass auch Adam Green und “The Moldy Peaches” schon mal beschrieben haben. Oder Douglas Coupland und  Miranda July. Vor allem auch Larry Clark mit seinem New Yorker Skater-Film “Kids”. Modisch bewegt sich “Girls” zwischen Urban Outfitters und Opening Ceremony. Es geht um das Alter, in dem man gerade aus der Uni kommt und einfach mal so überhaupt keine Kohle hat. Und keine Kohle zu haben ist ja das eine. Aber viel schlimmer: keine Ahnung zu haben, was man mit seinem Leben eigentlich so anstellen soll. Und am allerschlimmsten: sich von den Eltern aus der Provinz permanent reinziehen zu müssen, dass es mit dem Erwachsenwerden (ergo: dem Geldverdienen) jetzt aber mal ganz schnell losgehen muss.

Warum ich das cool finde? Es ist ein Lebensgefühl, das mir wahnsinnig vertraut ist, weil es noch gar nicht lange her ist, dass ich mit Freunden irgendwie ähnlich vor mich hinwurschtelte. Eine Zeit, in der man einen Scheißjob nach dem anderen anfängt. Ein Praktikum nach dem anderen. Nur, um alles gleich wieder hinzuschmeißen, weil man ja eigentlich von seinen avantgardistisch-anspruchsvollen Plänen auch nicht so gern durch mies bezahlte Übergangsjobs abgehalten werden will. Aber voran geht´s dann irgendwie auch nicht recht. Und wenn man ehrlich ist, hat man auch einfach gar keine Ahnung, wie man es anstellen soll mit der fulminaten Umsetzung der gigantischen Pläne, die man mit Anfang Zwanzig eben so hat. Und dann macht man halt doch noch ein Praktium.

Häh? Ich weiß echt nicht, wovon hier die Rede ist. Ja, dann hat hier jemand offensichtlich alles immer ganz genau richtig gemacht und ist heute in gutbezahlter Position bei McKinsey oder Marketingleitung bei Wunder-Was-Beeindruckendem. Alle anderen sollten sich schnellstmöglichst die TV-Show beschaffen. Woher? Irgendwer kennt doch immer irgendeinen Kollegen/Schwager/Geek, der gegen eine Plastiktüte “Red Bull” all die coolen TV-Serien aus Amerika auf seinen Rechner runterziehen kann… In Deutschland läuft die Serie mittwochs auch auf dem Pay-TV Kanal “glitz” (noch nie gehört, klingt aber schon mal lustig!).

Und das hat sich alles die Dunham ausgedacht? Ja. Für “Girls” erfand sie (neben all den anderen New Yorker Figuren) die Hauptdarstellerin Hannah, die so gern Schriftstellerin werden würde und auch durchaus an einem “Roman” schreibt. Zwischendrin werden von den TV-Eltern und WG-Mitbewohnern immer mal wieder einige Passagen aus Ihrem Roman laut vorgetragen – und spätestens da ahnen wir Zuschauer daheim auf unserer Couch schon: Holy shit, der Plot muss noch ganz gewaltig an Fahrt aufnehmen, denn bisher ist das mehr Mädchentagebuch als große Literatur.

Was sagt die Presse über sie? Der TIME-Kolumnist Joel Stein – offensichtlich selbst ein riesiger Dunham-Fan – hat sie für das  TIME-Magazine zur “Coolest Person of the Year 2012” ausgezeichnet. Lest selbst:

“The 2012 Coolest Person of the Year is a woman who was unafraid to showcase her flaws. A woman who wore less makeup on TV than in real life and purposely shot herself naked in more unflattering ways than a blackmailer would. A woman whose entire persona is based on doing the wrong thing yet who reportedly got a $3.7 million advance for an advice book. A woman who made an Obama campaign video centering on a double entendre about losing her virginity to the President. A woman who was nominated for four Emmys and, far cooler, zero People’s Choice Awards. A woman who responded to 2010 Coolest Person James Franco’s harsh Huffington Post essay criticizing Girls, the HBO show she created and stars in, by saying she’s a big James Franco fan.”

And for the future: wie reagiert man möglichst lässig auf Auszeichnungen des TIME-Magazins (kann ja jederzeit mal soweit sein)? Dazu wieder Joel Stein: “Unlike past Coolest winners who chose either not to talk about it (2011’s Ryan Gosling) or to say cool, cryptic things about it like “I invest my emotions into how well I think the things have been rendered” (2010’s Franco), Dunham didn’t hide her excitement. She emailed, “Wow, that is—for lack of a better word—really cool.”

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Foto: Hollywoodreporter.com