Gute Nacht-Rituale

It could be worse

Stimmt genau: could be worse… vor allem, wenn man gerade aus einem langen Urlaub wiedergekommen ist.

Heute bin ich allerbester Dinge, denn es gibt News: mein Jetlag ist weg. Das Mitleid von Freunden und Familie hielt sich in Anbetracht meiner unverschämten Urlaubsbräune ja eher in Grenzen. Aber der verdammte Jetlag, der sich wirklich und wahrhaftig so anfühlte, als hätte ich seit einer Woche nicht mehr alle auf der Pfanne, seit heute ist er weg.

Mag auch daran liegen, dass ich mich gestern abend um 22 Uhr bereits im Tiefschlaf befand. Mein Freund hatte seine kleinen Jungs ins Bett gebracht und war dann gleich selbst eingeschlafen. Als ich heimkam, schnarchte alles einträchtig vor sich hin. Ich machte mir noch ein Blitzabendbrot: Toasts mit Scheiblettenkäse, die vom letzten “Topmodels”-Abend mit den Freundinnen übriggeblieben waren (ich hatte mit “Toast Hawaii” geglänzt).

Und dann begann ich mit meinen drei Gute-Nacht-Ritualen: 1. eine Kanne Tee kochen. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass unser Körper für die Nacht sehr viel Wasser benötigt, um Zellen zu regenerieren.Wo ich das herhabe, erinnere ich beim besten Willen nicht mehr. Aber man muss nur einmal irgendwo in der “Apotheken Umschau” was unten links im Kleingedruckten lesen, prompt ist es für alle Zeiten ins Hirn eingebrannt. Um also nur ja sicherzugehen, dass auch keine einzige wiederherstellbare Zelle verrecken muss, wirke ich der schleichenden Hautverwelkung jetzt morgens und abends mit viel Wasser und Tee entgegen. Und sagte ich schon mal, dass ich amerikanische Sprichworte liebe? Zum Beispiel dieses hier: “better safe than sorry”.

Ritual Nr. 2: Kein “Computern” vorm Schlafengehen. Ja, ich weiß, quasi unmöglich. Um dies durchzuhalten, muss man sich unbedingt mit…

…Ritual Nr. 3 austricksen: einem derart beeindruckenden Bücherstapel auf dem Nachttisch, als hätte man vor, den ganzen Frühling in einem schnieken Kurhotel in Davos zu verbringen. Auch darf man auf gar keinen Fall dem Implus nachgeben, gleich an den Rechner zu flitzen, sobald einem beim Lesen noch etwas vermeintlich Wichtiges einfällt, was man den ganzen Tag schon hat nachschauen wollen. Unglaublich, wie schwer mir das fällt.

Wenn man´s vor lauter Schneeschippen diese Woche nicht in den Buchladen seines Vertrauens geschafft hat, tut´s auch die aktuelle Ausgabe der US-Vanity Fair als glamouröse Bettlektüre. Die ist in Europa ja ungefähr so schwer zu bekommen, wie ein gut geschnittenes, weißes Damen-T-Shirt, welches mal nicht so durchsichtig ist, dass unsere Umwelt permanent auf unsere aktuelle Lieblingsunterwäsche glotzen kann. Wer sie im Netz bestellt – also, die Vanity Fair jetzt, nicht die T-Shirts – der muss aufpassen, dass keine (geliftete) UK-Version geliefert wird. Ich habe das Magazin nach ewigen Recherchen über einen holländischen Abo-Service bekommen, für den ich aber lieber nicht haften würde, so dermaßen lange dauerte es, bis die erste Ausgabe tatsächlich mal eintraf.

Anfang dieser Woche stieß ich während Recherchen für Petersen dann auf etwas wirklich Geniales: den amerikanischen Frachtversand Shipito.com. Er ist eine Art Briefkasten-Firma, aber kein bißchen kriminell und DIE Lösung für Europäerinnen mit einem Faible für US-Krempel. Also in erster Linie: für mich. Mit zwei Mausklicks und einer Paypal-Überweisung kann man sich innerhalb von wenigen Minuten eine US-Postadresse einrichten und so z.B. lässige US-Magazine zu US-Abo-Preisen ganz einfach über Californien nach Deutschland weiterversenden lassen. In Österreich hat Shipito schon eine Europa-Dependance aufgemacht. Das macht´s ja irgendwie gleich noch einen Tacken seriöser. Shipito ist im übrigen auch ein 1A-Trick, um ein paar US-Webshops auszutricksen, die nicht nach Europa versenden wollen.

Gestern abend blätterte ich vorm Schlafengehen noch ganz kurz die FANFAIR-Seiten der aktuellen “Vanity Fair” durch (welcher Chefredakteur erbarmt sich denn endlich und macht mal ein paar coole FANFAIR-Seiten für unsere deutschen Magazine?). Und heute morgen um sieben wurde ich von drei ausgeschlafenen Männern mit perfekt-fluffigen Pfannkuchen geweckt. Es war Samstag, die Sonne schien. Und konnte es sein, dass der Frühling jetzt auch endlich da war?

Foto: PatchOulli@tumblr via Flickr