Ferienlektüre

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So ist es manchmal. Seit zweieinhalb Wochen zurück aus dem Urlaub. Und seit einer Woche mit einer Monstergrippe im Bett. Ganz so, als sei das Immunsystem schon auf FlipFlops und Coconut-Shakes umgestellt gewesen, auf Sonne, Strand und Salzwasser, brach es nach einer eisigen Woche zurück in Berlin kläglich in sich zusammen. An mir lag´s diesmal wirklich nicht. Ich hatte mir nach der Rückkehr vom Flughafen gleich Schneeboots und Arctic Parka rausgelegt. Aber dann stellte sich heraus, dass ich im “Kaisers” nicht mal einen Liter Milch und eine Packung Toastbrot besorgen konnte, ohne vom Vorder- oder Hintermann mit einem verdächtig rasseligen Bronchialhusten daran erinnert zu werden, dass ich wieder in Berlin war. Und weil ich ein großer Fan von EC-Karten-Zahlungen bin, besonders bei Einkäufen im Supermarkt, muss man ja eins und eins auch gar nicht erst zusammenzählen: die Bazillen auf der Tastatur hatten sicher ein leichtes Spiel mit mir.

Ostern verbrachte ich also im Bett. Und zwar alle Feiertage. Und dann auch noch die Tage nach den Feiertagen.

Am Ende hatte die Misere doch noch ein Gutes: endlich kam ich mal wieder zum Lesen. Seit Thailand bin ich – wirklich und wahrhaftig – ein riesiger Ildikó von Kürthy-Fan. Ich entdeckte ihren Roman “Endlich” in dem Second-Hand-Bücherregal eines kleinen Strandcafés, in dem wir uns tagsüber immer mit Fruchtshakes versorgt hatten und ließ ihn dreist in meine Strandtasche verschwinden, als die nette Kellnerin gerade einen Tisch mit halbaufgefutterten Pad Thai´s abräumte. Ja, ja, ich weiß, überhaupt nicht okay… Aber ich stellte das Buch 48 Stunden später auch sofort wieder zurück ins Regal.

Und seitdem bin ich Ildikó von Kürthy-Fan. Wer so schnodderig schreiben kann und wer Dialoge zwischen zwei Menschen so hinbekommt, so einfach und so unkonstruiert… der ist – aus Ermangelung eines besseren Wortes- meine Heldin. Klar, das ist ja alles Ansichtssache. Wer in seiner Freizeit gern einen schönen Bildungsroman zur Hand nimmt, für den ist dieses Buch vielleicht eher nichts. Wobei dies nicht heißen soll, dass “Endlich” nicht schlau aufgeschrieben wäre. Im Gegenteil!

Wenn ich an die Hauptfigur denke, Vera Hagedorn, eine in Stade gestrandete, ehemalige Werbetexterin mit einem etwas zu fetten Hintern und einem Ehemann, der so langweilig ist, dass man ihn eigentlich gar nicht mehr in die Wohnung lassen dürfte, dann ist dies zwar vielleicht nicht ganz die Art von Frau, mit der ich mich gern mal auf eine Orangina in meinem Lieblingscafé treffen würde. Aber man will es ja dann doch wissen, wie die Vera sich so durchschlägt. Und nach zwei Kapiteln musste man, Klischees hin oder her, schon hartnäckige Überzeugungsarbeit leisten, um mich dazu zu bewegen, das Buch kurz beiseite zu legen und eine Runde schwimmen zu gehen.

Ebenfalls unschlagbar: die Ildikó von Kürthy-Kolumne in der “Brigitte”. Und auch: die des siebenfachen Vaters Georg Cadeggianini! (Dass der Mann überhaupt noch die Zeit findet, sich auf einen Stuhl zu setzen, vor eine Tastatur, um anschließend auch noch etwas zu schreiben, eine Kolumne, und wie er die Kinder währenddessen in Schach hält – dies alles ist mir ein absolutes Rätsel).

Zurück in Berlin kaufte ich mir bei der nächsten Gelegenheit gleich “Unter dem Herzen – Ansichten einer neugeborenen Mutter”. Und das, obwohl ich weder Mutter bin, noch schwanger, noch vor habe, jetzt gerade schwanger zu werden. Was Frau Kürthy in diesem sehr persönlichen Buch allerdings über sich, ihren Mann und ihr Leben so zu erzählen hat, ist wirklich wahnsinnig lustig. Oder sagen wir es mal so: das finde ICH wahnsinnig lustig. Das sehen Bildungsbürger mit etwas mehr -äh- Anspruch vielleicht anders. Aber die machen sich ja auch nie Dr.Oetker-Fertig-Milchreis aus der Tüte (mache ich mir IMMER, wenn ich krank bin, was also die ganze vorige Woche der Fall war).

Was mich jetzt abschließend noch dringend interessieren würde: wo bekomme ich die Nummer des ultraverständnisvollen Frauenarztes her, von dem in “Unter dem Herzen” die Rede ist? So einer, der auf alle Neurosen stundenlang eingehen kann. Und nicht mit den Augen rollt, wenn ich etwas frage, was ich schon sechzehn Mal gefragt habe. Eine Frage, die sicher auch jede andere Patientin, die da im Wartezimmer hockt und gerade die “Grazia” durchblättert, den armen Mann gleich noch sechzehn Mal fragen wird. Für so einen wäre ich sofort bereit, die anderthalb Stunden ICE-Fahrt nach Hamburg auf mich zu nehmen. Liebe Hanseaten, Ihr Glücklichen, was man bei den ruppigen Berliner Gynäkologen so alles erleben muss, wollt Ihr lieber gar nicht wissen…

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Drei weitere, wunderbare Bücher, die ich im Urlaub gelesen habe:

A.M. Homes: “May we be forgotten”
I just love A.M.Homes! Aber zu krass, um es als Überraschungs-Geschenk einfach mal auf eine Geburtstagsparty mitzubringen.

Leif Randt: “Schimmernder Dunst über Coby County”.
Im vorigen Jahr erschienen. Hoch gelobt. Und völlig zu recht! So muss es sein, das Leben in Coby County, so eitel, so oberflächlich und so supercool, als wäre man gerade einer American Apparel-Kampagne entsprungen. Leif Randt. Jahrgang 1983. Welch ein Talent.

Tino Hanekamp: “So was von da”
Hamburg. St.Pauli. Ja, so bist Du. So wie in diesem Buch. Manchmal vermisse ich Dich auch ein kleines bißchen. Besonders, wenn ich Bücher wie dieses hier lese.

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Zwei Filme, die ich im Flugzeug gesehen habe:

“Argo” von und mit Ben Affleck. So spannend!

“The perks of being a wallflower” mit Logan Lerman und Emma Watson. Selten so geschluchzt! (Sitznachbarn im Flugzeug schauten aufgrund meines enormen Tempotaschentuch-Verbrauchs schon ganz besorgt rüber)

Foto: PETERSEN im Strand…

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