Krieg der Sterne

David Sedaris 2013

In den letzten sechs Wochen verlief alles so wahnsinnig holprig, dass ich mich irgendwann morgens zu fragen begann, welche zwei Sterne es denn jetzt eigentlich ganz genau sind, die sich gerade zwischen Mars und Jupiter kräftig ins Gehege gekommen sein müssen. So sehr lief vieles daneben. Und so oft fragte ich mich, ob man denn nicht doch vielleicht etwas winzigkleines dagegen tun könne, zum Beispiel irgendwelche Aufräumarbeiten auf irgendeiner wichtigen Umlaufbahn in die Wege leiten, damit mein Jahr und das meiner Freunde doch bitte, bitte wieder so halbwegs in normale Bahnen zurückgeraten würde, ohne dass noch weitere Wahnsinns-Kracher auf uns einprasseln.

Und ich meine jetzt nicht die Art von POSITIVEN Krachern. Eher die Sorte von Kracher, bei der man Wochen später noch am Badezimmer-Spiegel mit den optischen Aufräumarbeiten des letzten Desasters beschäftigt ist. Und sich fragt, wie man diese pandabärchenartigen Augenringe und die neu hinzugekommenen Krähenfüßchen eigentlich jemals wieder wenigstens so halbwegs erfolgreich vor der Außenwelt vertuschen soll.

In solchen Ausnahme-Wochen ist es wohl das beste, sich mit einem David Sedaris-Buch an den anderen Teil der Erde, also vielleicht nach sowas lässiges wie Argentinien abzusetzen. Oder Mexiko. Beides Orte, die ich ganz dringend mal sehen will. Und je älter ich werde, desto dringender möchte ich dahin. Wenn´s doch nur nicht so weit weg wäre. Und die Königin der großen Übersee-Reiseplanungen bin ich ja leider nicht so richtig.

Sedaris Erzählungen bringen mich oft so dermaßen unkontrolliert zum Lachen, dass mein Sitznachbar vorgestern im Flugzeug ganz irritiert von mir wegrückte, soooo sehr muss ich unvermittelt losgeprustet haben, was für unbeteiligte Menschen ja zugegebenermaßen auch etwas irre rüberkommen kann.

Neulich erst kamen wir auf Marlenes Geburtstagsessen auf den großartigen David Sedaris sprechen, da gab es am Tisch zwischen der fünften Flasche Wein und einem grandiosen, selbstgebackenen Kuchen mit Blaubeer-Topping von Nora (die extra aus München gekommen war) kein Halten mehr, so sehr mussten einige allein bei der bloßen Erwähnung einer ganz bestimmten Sedaris-Kurzgeschichte lachen (der Geschichte “Me talk pretty one day”, zu deutsch “Ich ein Tag sprechen hübsch” aus dem gleichnamigen Band). In dieser Geschichte besucht der Amerikaner Sedaris einen Französisch-Kurs in Paris und schlägt sich mit der wohl strengsten Sprachschul-Lehrerin der Welt herum.

Sedaris kann auch Trauriges aufschreiben. Auch diese Geschichten erzählt er immer in einem ganz eigenen, traurig-liebevollen Ton. Und wie wunderbar Sedaris uns Europäern sein Amerika erklärt! Ein Amerika, in dem so praktische Dinge wie Pinkel-Auffangbehälter für die Hose erfunden werden. Es könnte ja sein, dass man in einem Football-Stadium nach sechs Litern Bier ganz dringend mal “muss” und irre gern unbeobachtet pieseln würde, ohne dafür seinen Sitzplatz zu verlassen und ein Klo aufsuchen zu müssen. Sedaris, generell immer schwer begeisterungsfähig für trashige, technische Neuentwicklungen, hat sich das “Stadium Pal”-Set einfach mal nach Hause bestellt und auf Herz und – äh- Nieren getestet. Wie es sich anfühlt, mit einem knallheißen Tank voll Pipi in der Hose unterwegs zu sein, und wie sehr die Leute im Umfeld es dann doch bemerken, dass man irgendetwas merkwürdiges im Schilde führt, während man gerade so unauffällig wie möglich in seinen versteckten Urin-Beutel pieselt – all dies ist nachzulesen in “Buddy, can you spare me a tie” aus dem Band “Schöner wird´s nicht”.

Ohne die Bücher von David Sedaris würde ich die “Kracher-Wochen” nicht überstehen. Wie froh ich bin, dass diese unruhige Zeit gerade wieder vorüber zu sein scheint. Ich hoffe es zumindest!

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Unbedingt als erstes lesen:  “Ich ein Tag sprechen hübsch”

Lese ich gerade noch wieder einmal (..die englische Version von): “Schöner wird´s nicht”

Gerade neu erschienen – liegt schon auf meinem Nachttisch!  “Let´s explore diabetes with owls”

Foto: David Sedaris via Volume One