Volleyball-Liebe

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Ach, Du meine Güte. Ist es schon wieder soweit, sind weiße Reebok-Classics aus den 90ern etwa wieder im Kommen? Bloß nicht. Diesen Schuhtrend setze ich jetzt aus. Schon allein, weil ich Schuhgröße 41 trage und aus diesem Grund fast nie weiße oder helle Schuhe kaufe. Schaut ja dann noch quadratlatschiger aus, als es eh schon immer der Fall ist. Und gibt es nicht auch Trends, die inzwischen überhaupt nicht mehr zu einem passen? Für die man dann einfach zu alt ist? Ich bin jedenfalls ganz klar zu alt für Aerobic-Classics von “Reebok”. Die Dinger erinnern mich viel zu sehr an meine Schulzeit in den Neunzigern.

Damals habe ich die Sneakers immer in schwarz getragen. Weiß ging ja aus oben genannten Gründen nie. Keine Oberstufenparty ohne mich in meinen Reebok´s! Auf jeder verdammten Schulfeier stand ich an der Tanzfläche herum, schaute den Mutigen beim Dancen zu und unterhielt mich mit meinen Freundinnen über die neuen Platten von “Tori Amos”, “Portishead” und “Tricky”. Wie lässig ich mir in den Schuhen auch immer so vorkam! Also, ganz ehrlich: war gar keine schlechte Zeit, dieses ultraleichte, perfekt abgefederte “Reebok”-Jahr.

Ich kam damals mit der (in meinen Augen) coolsten Socke der Stadt zusammen, einem zwei Meter großen Volleyball-Crack aus dem Nachbar-Gymnasium. Ich fasste mir an irgendeinem Abend im Herbst nachts um halb eins mal ein Herz und sprach ihn in der Alternativ-Disco “Dornbusch” an. Das “Dornbusch” war mehr Bretterbude als Disco, hatte aber eine ordentliche Anlage, spielte gute Musik und -was für mich und meine Freundinnen damals am wichtigsten war – es waren alle coolen Jungs aus dem Landkreis Nordfriesland da. Der Volleyballer und ich, wir quatschen dann im “Dornbusch” ein bißchen, draußen auf den Holzbänken im Hof, drinnen war die Musik so laut. Dann tauschten wir die Festnetztelefonnummern unserer Eltern aus (Handys gab´s noch keine). Und am Dienstag abend (3 volle Tage später!) rief er mich an. Wir waren dann auch für ein paar Monate “zusammen”.

Das Ganze hielt leider nicht so lang, wie ich es mir damals vielleicht gewünscht habe. Aber was soll´s. Ein Altersunterschied von vier Jahren war zu Schulzeiten eben schon auch noch eine große Sache. Aus heutiger Sicht sind vier Jahre ja völlig lachhaft. Inzwischen wundere ich mich nur noch über Altersunterschiede von 15 Jahren drüber oder drunter. Und auch da kommt es immer auf den Einzelfall an und ist bei näherer Betrachtung fast immer völlig nachvollziehbar.

Aber zurück zur Volleyball-Liebe: heute lebt der Mann in Hamburg. Er hat sehr jung geheiratet und als ich ihn das letzte Mal sprach, schien er aufrichtig glücklich mit sich und seinem bisherigen Leben zu sein  (muss man ja auch erstmal hinbekommen als Mensch um die Dreißig). Er hatte inzwischen deutlich weniger Haar auf dem Kopf und mit dem Volleyballtraining aufgehört (sah trotzdem noch topfit aus). Und ich? Ich war inzwischen auch keine sechzehn mehr, also zehn Jahre älter geworden und gab – ganz die superehrgeizige Designhochschulabsolventin – mit meinem ersten Grafik-Job an, den ich bei einem neugegründeten Magazin in Berlin ergattert hatte.

Ich bin mir sicher, dass wir zwei damals –  an Weihnachten 2006 oder 2007 – wirklich von Herzen froh waren, uns einfach mal wieder zu sehen. Wir hatten über die Feiertage unsere Eltern in der Kleinstadt besucht und trafen uns bei einem Freund zuhause wieder. Wir tranken ein paar Biere zusammen, hörten Musik und erzählten uns alles über unsere Leben in den großen, deutschen Städten, in die wir inzwischen gezogen waren. Ich weiß nicht mehr, welche Schuhe ich an diesem Abend trug. Aber es waren mit Sicherheit keine “Reeboks”.

Foto: Studded Rose on Tumblr