Wir haben uns.

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Huhuuu. Ich mache mich diese Woche mal voll locker. Und Ihr? Auch so megaentspannt? Nee, quatsch, bevor hier gleich die ersten wutentbrannt das Browserfenster dichtmachen: ich bin natürlich NICHT voll tiefenentspannt. Sind ja nur noch ein paar Tage bis Weihnachten. Wie könnte ich also tiefenentspannt sein. Ausgerechnet jetzt. Dauernd poppt doch noch irgendwas Oberwichtiges auf, im Büro ein einziges “Land unter” und es muss natürlich unbedingt bis zum Jahresende dringend noch so halbwegs überall Klarschiff gemacht werden.

Mein Schreibtisch zuhause gleicht mittlerweile einem einzigen Müllhaufen. Wenn unser Nachbar von oben klingelt, um etwa eine Bohrmaschine auszuleihen (auch dort wird scheinbar vor Jahresende handwerkermäßig noch einmal Gas gegeben, bin ganz beeindruckt..), nun, wenn´s klingelt, werfe ich zur Zeit blitzschnell die Tür zum Arbeitszimmer zu. Nicht, dass mir dort jetzt im Moment noch jemand frech reinluschert. Und es fehlt mir auch gerade noch, dass man mich mitleidig fragt, ob ich die Bohrmaschine denn überhaupt entbehren könne, so “beschäftigt”, wie´s dort drüben im Arbeitszimmer scheinbar aussähe, da stünde mir bis Heiligabend aber noch einiges an Gewerkel bevor.

Nachbarn werden also gerade nicht reingelassen. Zalando- und Amazon-Pakete für andere reiche ich durch die halbgeschlossene Wohnungstür durch. Bohrmaschinen auch. Selbstgebackene Kekse gibt´s bei mir in diesem Jahr keine. Selbstgebackenes von anderen hingegen nehme ich selbstverständlich jederzeit gern entgegen. Neulich hatte im Büro jemand Vanillekipferl dabei. Selbstgebacken. Puh, waren die gut. Kurz dachte ich mir: ach, komm, ich mach´ heute abend auch noch “schnell” welche. Aber dann war´s plötzlich Mitternacht. Vierundsiebzig E-Mails später und immer noch keine Vanillekipferl im Ofen. Nicht mal ansatzweise. Na und? Es hat sich in meinem Haushalt bislang auch noch niemand beschwert. Vermutlich traut sich keiner. Können ja dann selbst Kekse backen, wenn die Herrschaften welche haben wollen.

Und überhaupt: ich bin jetzt gerade froh, dass ich halbwegs noch zum Duschen komme. Haare werden seit Dezember im unregelmäßigen Rhythmus gewaschen. Ist eh besser für die. Und dann abends immer schön die Wollmäuse aus dem unteren Haarbereich rauskämen. Meine Schals verreiben die Haare im Nacken zur Zeit in eine dermaßen schlimme Filzlauserei, wenn ich nicht aufpasse, habe ich bis zum Frühlingsbeginn funky Dreads wie Bob Marley.

Damit die Haarspitzen jetzt im Winter nicht zu trocken werden, reibe ich immer mal wieder ein paar Handvoll “Haaröl” von WELEDA in den unteren “Föhnbereich”. Eine frühere Blog-Empfehlung von Okka und Marlene. Bin schwer begeistert.

Ist er nicht auf ´ne Art auch bereinigend, der Jahresabschluss? Neulich berichtete mir mein Freund von einer ehemaligen Kollegin, die ihm eine ganze Mittagspause lang erzählt hatte, wie sehr sie in diesem Jahr zur schwer erhellenden Erkenntnis gelangt sei,  dass der elendige Perfektionismus doch die Wurzel allen Übels wäre.

Ich war ganz Ohr. Dass Perfektionismus völlig überbewertet wird, das ist ja seit einer Weile auch meine heimliche Theorie. Irgendwie merkwürdig. Es muss das Alter sein. Oder unsere Zeit. Perfektionismus ist scheinbar nur noch was für überambitionierte Streber. Oder für Menschen, die in den Human Ressources-Departments dieser Welt arbeiten. Kann man das jetzt einfach mal so platt herunterbrechen. Ich finde: ja. Warum denn nicht? Nichts gegen die netten Menschen aus den Personalabteilungen. Nein, nein. Ihr seid ja gar nicht gemeint. Aber ganz ehrlich: wer Lust hat, klickt heute abend bei “Monster.de” einfach mal auf ein x-beliebiges Jobangebot eines mittelständischen Unternehmens in der deutschen Provinz und verzweifelt nicht, sondern schmunzelt bitte auf der Stelle über derart mickeymausartig überzogene Personal-Anforderungen, die nicht mal die Merkel erfüllen könnte. Und die ist mal tough. Und top ausgebildet. Und kein bißchen auf die Schnauze gefallen. Und lässt sich ja wohl von niemandem auf die Theke scheißen (um es mit einem meiner absoluten Lieblingsquotes von Alexa zu sagen).

Deshalb schreibe ich jetzt mal: Spießer, Überperformer und Perfektionisten, Ihr seid “buh”.

Diese Behauptung kommt mir jetzt eh gerade sehr gelegen, wenn ich da jetzt an mein Arbeitszimmer und die noch nicht gebackenen Vanillekipferl denke.

Schmeißt all Eure übergeschnappten Weihnachtsambitionen aus dem Fenster. Kocht und backt, was ihr wollt. Und nicht das, von dem Ihr denkt, dass andere denken, dass Ihr es kochen und backen müsstet. Schenkt was kleines. Oder gar nichts.

Die Hauptsache ist nämlich immer noch: wir haben uns. Und wir sind gesund und munter beieinander. Vor wenigen Tagen erst machte mich ein Ereignis im Bekanntenkreis ganz still und traurig. Und ich erinnerte mich zurück an ein furchtbar trauriges Ereignis aus dem vergangenen Jahr. Es zeigte mir, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass wir so schön beeinander sitzen, alle zusammen, die Kleinen und die Großen.

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Happy 2. Adventwoche Euch allen! Macht´s Euch schön.

P.S. Träumt von einem Sommerbad im See. Mache ich auch gerade. Ach, Sommer, wie freu´ ich mich auf Dich.