Hobby-Detektive

tumblr_mvnu9q6dQS1qjxp7ko1_1280

Erinnert Ihr Euch noch an unsere Pullis mit dem “oui”-Aufdruck ? Genau! Das waren die Sweatshirts, die man uns kurz vor Weihnachten mit Karacho aus dem Onlineshop kärcherte. Und das auch aus gutem Grund: das Markenrecht für “oui” gehört seit vielen Jahren einem sehr etablierten, deutschen Modeunternehmen.

Weil die Pullis so irre gut bei uns im Online-Shop liefen, hatte ich im vorigen Winter  die Idee, in einer illegalen Aktion noch weitere, ahnungslose Marken raubzukopieren. Diesmal wollte ich mich an Pullis mit dem Aufdruck “Céline” wagen.

Allein würde ich es nicht schaffen. Ich beauftragte also einen Headhunter, der mir nach einem zeitintensiven Recruiting-Prozess empfahl, die Top-Talente Tim, Karl, Klößchen und Gabi bei PETERSEN anzustellen (Gabi brachte noch den Raubkopier-Bürohund Oskar mit). Bevor sie Ihren Arbeitsvertrag mit unsichtbarer Detektiv-Tinte unterschreiben durften, mussten die vier Kids zwei unfassbar förmliche Bewerbungsgespräche mit mittelwichtigen Executives von PETERSEN überstehen und eine halbstündige Strategie-Präsentation zur Neuausrichtung des Markenraubkopiergeschäfts ausarbeiten.

Hinterher konnte ich das Gehalt der vier Hobby-Detektive noch um ein Drittel herunterhandeln. Unter Protest zwar, aber hatten sie eine Wahl? Ich kürzte auch die Urlaubstage noch auf insgesamt 12 Stück zusammen (“Heiligabend ist ein zusätzlicher Urlaubstag, also kommt man am Ende auf 13 Feiertage, wenn Heiligabend nicht auf ein Wochenende fällt. Leute, supercool, oder?”). Ich stellte ihnen einen befristeten 1-Jahresvertrag mit einer Probezeit von 6 Monaten aus. Nicht, dass die vier neunmalklugen Knirpse sich einbildeten, sie könnten ausgerechnet in der Berliner Digitalbranche einfach mal so easy-popeasy unbefristet festangestellt werden. Wer nicht weiß, ob sein befristeter Vertrag wieder verlängert wird, arbeitet doch einfach viel effektiver, ist seltener krank, lungert nicht ständig an der Kaffeemaschine herum, beschwert sich nicht über seine inkompetenten Kollegen, hat nicht dauernd die Social Media-Webseite mit blauem Balken am Rand offen, traut sich schon mal gar nicht, vor 19.30 Uhr Feierabend zu machen und bastelt keine merkwürdigen Urlaubs-Konstruktionen um Brückentage herum. Einen besseren Standort für mein Raubkopier-Business konnte ich also innerhalb Deutschlands  gar nicht finden. Ich überwies meinem Headhunter für seine ausgezeichnete Arbeit 150.000 Euro plus Bonus, überließ ihm für eine Woche mein Ferienhaus samt Personal auf Ibiza und war fortan die glücklichste Arbeitgeberin der Stadt.

Während unserer morgendlichen Detektiv-Meetings planten Tim, Karl, Klößchen, Gabi und ich bei Kakao und rosinenfreien Milchbrötchen das wildeste Markenkopie-Konglomerat seit Zerschlagung des Fälschungsrings um die “Windsurfing Chiemsee”-Pullis. Tim hatte uns auf ebay den Account “cELineBeRlin” gesichert. Wir fünf warteten im Prinzip auch nur noch darauf, dass die neue Ausgabe des Y.P.S.-Magazins auf den Markt kam, in der es eine ausfaltbare Siebdruckmaschine aus Well-Pappe für unseren Konfi geben sollte. Diese Ausgabe musste jeden Moment am Kiosk erscheinen. Als wir bereits kostbare Wochen verloren hatten, schrieben wir einen ungeduldigen Leserbrief an die Y.P.S.-Redaktion.

Wenig später traf Post aus München ein. Nicht -wie erhofft – von Y.P.S. Sondern von einem sehr seriösen Modeunternehmen. Wir sollten doch bitte die Raubkopiererei mit den Pullis mal so langsam einstellen. Man habe unser freches Gefälsche aus der Ferne schon länger beobachtet und mittlerweile die “Drei Fragenzeichen” auf uns angesetzt. Wenn es mit unseren Fake-Pullis so weiterginge, würde man aus Rocky Beach demnächst mal jemanden rüberschicken, der uns unsere Detektivkoffer zockte und meine treuen Mitarbeiter Tim, Karl, Klößchen und Gabi nach Feierabend zur Gründung eines Betriebsrats anstiftete. Und dann könne ich neoliberale Start-up-Angeberin aber mal sowas von einpacken.

Was macht die Jungunternehmerin mit irre viel Ambition und großer Klappe, wenn sie Post vom Amt bekommt? Sie gibt sofort klein bei. Hey, nicht, dass mir mein hippes Detektivteam noch abhanden gekommen wäre. Und wer hätte mir morgens im Büro denn meine “Flat Whites” an den Eiermann-Tisch gebracht? Ich milchschäume doch an der Küchenzeile nicht stundenlang selbst herum. Ich bin mir sicher: nicht mal Oskar, den verlausten Raubkopierhund, hätten die undankbaren Kids mir dagelassen.

Ich unterließ also sofort die Produktion von Pullis mit französischen Vokabeln auf der Brust. Meine Co-Worker blieben dort, wo sie waren: in meinem Konfi. Ich terrorisierte sie allerdings nun nicht mehr so oft mit kleingeistigen, unnötigen Team-Meetings. Gabi und Hund Oskar brachten während einer Besprechungs-Pause alle verdächtigen Textilien in ein Tierheim, wo diese kurzerhand zu Kuscheldecken für ausgesetze Hundewaisen umfunktioniert wurden und man uns für unsere großzügige Spende mit einem sehr wichtigen Berliner Tier-Charity-Preis auszeichnete. Die viralen Marketing-Maßnahmen zu unserem Charity-Event, die meine vier Digital Natives mit ein paar steinalten Laptops kostengünstig inhouse selbst produzierten, bescherten uns über Nacht grandiose 100-k neue Instagram-Follower.

Die Stimmung besserte sich! In der folgenden Woche gab Klößchen zum allerersten Mal eine ganze Tafel Schokolade aus. Unser Raubkopier-Hund Oskar zerlegte unter dem Konferenztisch einen Kauknochen, den er sich brav von seinem ersten, eigenen Hunde-Gehalt bei PETERSEN gekauft hatte (man kann den jungen Leuten ja jetzt auch nicht immer ALLES bezahlen). Und Tim, das crossmediale Ausnahmetalent, stellte uns eines Abends eine neue Strategie für unser Unternehmen vor.

Zum Jahreswechsel gründeten wir ein über die Samwer-Brüder (Jamba, Zalando, Rocket Internet) voll durchfinanziertes Start-up. Unsere Geschäftsidee: eine Frühstücks-Lieferservice-App für warmen Kakao und rosinenfreie Milchbrötchen. Wir raubkopierten diese Business-Idee so ein bißchen von unserem lieben Freund Flori vom “Joris” (Brunnenstrasse 158, Berlin). Der heiße Junggastronom war noch keine Dreißig und hatte gerade seine zweite “Joris”-Dependance eröffnet, diesmal eine in Hamburg (in der City Nord). Und was DER mit Ofenkartoffeln und Salat konnte, das würden wir – Tim, Karl, Klößchen, Gabi und ich -, mit Kakao und Milchbrötchen ja wohl auch noch hinkriegen.

. . .

In diesem Monat gratulieren wir:

Flori vom “Joris”! In der Hamburger City Nord hat er sein zweites Restaurant eröffnet!
Liebe Hanseaten, schaut dort unbedingt mal vorbei und grüßt ihn sehr herzlich von uns: “Joris Hamburg”, Mexikoring 19

. . .

In diesem Monat gelesen:

“Lean in” von Sheryl Sandberg

Ein Buch, das Kika von der “Raetherei” und Susanna R. unabhängig voneinander in derselben Woche empfahlen. Ich hatte es einige Monate zuvor kurz angelesen und dann in mein Buchregal geschoben. Jetzt laß ich den Rest. Sheryl, you go, girl!).

. . .

In diesem Monat gesehen:

die ersten Folgen der 3. Staffel von “House of Cards”.

Wie das hier in Deutschland möglich ist? Das haben mir Lotta, Jessica und Christoph neulich erklärt: 1. anmelden bei “Netflix”-Deutschland. 2. ein einschlägiges Programm aus dem Netz herunterladen, welches die deutsche IP-Adresse unseres Rechners verbirgt (wie, weiss jeder Nerd im Freundeskreis). Und dann viel Spaß mit “House of Cards”! Am besten, man loggt sich für “House of Cards” über die amerikanische Netflix-Seite ein (netflix.com).

(Wenn´s nicht klappt, hilft ein Rechner-Neustart oder ein Browser-Wechsel. Es ist aber wirklich einfach!)

. . .

In diesem Monat wiedergehört:

“Mykonos” von den Fleet Foxes. Weil wir Griechenland so lieben – und dies in den letzten Wochen aus aktuellem Anlass noch ein bißchen mehr. Deshalb heißt unsere neue, schwarz-weiss gestreifte Strandtasche auch “Mykonos”. Und wer noch keine Urlaubspläne hat, fährt in diesem Jahr unbedingt mal hin. EasyJet fliegt einmal die Woche direkt nach Mykonos-Stadt. Wir waren vor 2 Jahren im September da – und fanden es herrlich!

Warum ich unbedingt immer mal nach “Mykonos” wollte? Weil eine Zeit lang kein Tag verging, an dem ich “Mykonos” von den “Fleet Foxes” nicht 40 Mal hintereinander abspielen musste:

…hier geht´s zum Glastonbury-Video! Unbedingt auf die Gummistiefel -Röhrenjeans der Jungs achten! Hot, hot, hot.

. . .

Und Ihr? Was lest Ihr gerade, wo geht Ihr mittags hin, was schaut Ihr Euch abends auf der Couch an?

Ein schönes Wochenende Euch!

Foto: via Tumblr

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s