Category: made me think

Schwachsinnige Streitereien

Immer, wenn ich für ein paar Tage allein zuhause bin, lasse ich mich so richtig gehen. Ich wasche meine Haare nicht mehr. Ich stelle meinen Wecker nicht mehr. Und ich schlafe so lange aus, bis man das, was ich mir im Stehen an der Arbeitsfläche in der Küche reinschiebe, schon nicht mal mehr Frühstück nennen kann. Und weil es ja keiner mitbekommt, esse ich morgens, mittags und abends abwechselnd Butterbrote mit Käse oder Butterbrote mit Marmelade oder Butterbrote mit Käse UND Marmelade. Herrlich.

Das Allerbeste am Alleinsein ist: endlich quatscht einem keiner mehr in das Netflix-Programm. Im Ernst jetzt! So schön das Zusammenwohnen als Paar die allermeiste Zeit ist, die Tatsache, dass wir uns bis in alle Ewigkeit darüber abstimmen müssen, welche Filme wir abends streamen, kann auch mal ein echter Downer sein. Im besten Fall endet es damit, dass ich mich von meinem Mann stundenlang in irgendwelche Serien reinquatschen lasse, die ich zwar ursprünglich nie hatte sehen wollte, hinterher aber noch viel süchtiger bin, als er selbst.

Einige verbringen ja aus genau diesem Grund den ganzen Abend in getrennten Zimmern. Dauerhaft. Sie im Wohnzimmer vor der Glotze und er im Arbeitszimmer vor der Glotze. Diese Abmachung klingt im ersten Moment total super. Eingeführt haben wir sie aber trotzdem noch nicht.

Vor ihm würde ich es niemals zugeben, aber ich habe einfach zu viel Schiss, dass all diese Abende vor getrennten Fernsehern mir eines Tages, wenn mein Mann mit einer 21-jährigen Projektmanagerin mit “Brazilian Landing Strip”, champagnerfarbenem iPhone und dem IQ von einer Schreibe Toastbrot durchbrennen sollte, noch einmal ganz schlimm vorgeworfen werden könnten.

Das kennt man ja aus der Paartherapie: bei den meisten Dingen, die man sich hinterher auf quietschgrünen Sesseln im Beisein der Therapeutin vorwirft, wußte man eigentlich vorher, also während man sie tat, dass sie jetzt nicht so unbedingt der Bringer für die Beziehung sind.

Weil mein Mann (die allermeiste Zeit) ein sehr netter und humorvoller Mensch ist, empfahl er mir vor einigen Monaten sonntags beim Frühstück ein richtig spannendes Interview mit Cecelia Ahern auf dem Podcast “An Irish Man Abroad”. Und weil ich mir nach unserer Hochzeit im letzten Sommer vorgenommen habe, (die allermeiste Zeit) eine sehr nette und humorvolle Ehefrau zu sein, höre ich mir das, was mein Mann empfiehlt, mit etwa viermonatiger Verspätung auch hin und wieder mal an.

Cecelia Ahern spricht in diesem Interview mit Jarlath Regan über die Zeit während ihres Studiums, in der sie an Panikattacken erkrankte und ihre Dubliner Wohnung nicht mehr verlassen konnte. Wochenlang schloß sie sich zuhause ein. Und weil sie einfach etwas dagegen tun musste, um in ihrer kleinen Wohnung nicht verrückt zu werden, schrieb sie in nur drei Monaten ihr erstes Buch “P.S. I Love you”.

Das Interview mit Cecelia Ahern hat mich so fasziniert, dass ich gestern Abend beschloß, mir den Film “P.S. I Love You” anzusehen. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich den Hauptfiguren ihre Geschichte abnehmen oder nach einer Viertelstunde mit einer angebrochenen Tüte Chips im Gesicht auf der Couch einpennen würde.Und dann kam es vollkommen anders.

Ab Filmminute 2 habe ich nur noch durchgeheult. Der Film zeigt, wie es ist, wenn einem der Ehemann viel zu früh wegstirbt (Gerry ist in diesem Film gerade mal Anfang Dreißig). Schlimm genug, dass Gerry nun also direkt nach den ersten Filmminuten schon wieder aussteigt. Hinterher trifft ab jetzt auch noch jeden Monat ein unfaßbar schöner Brief von ihm ein. Diese Briefe, die er seiner Frau heimlich vom Krankenbett aus schrieb, bevor er verstarb, sollen ihr Monat für Monat über seinen Tod hinweghelfen.

Als der Film zuende war, schmiss ich etwa hundertvierzig vollgeschneuzten Tempotaschentücher in den Müll und wäre im Bad beim Lichtmachen beinahe selbst abgekratzt, so sehr erschrak ich darüber, wie krass “Anton-der-kleine-Vampir”-mäßig meine Wimperntusche beim Heulen im Gesicht verschmiert war.

Beim Abschminken berappelte ich mich wieder. Ich war plötzlich froh darüber, dass ich noch lebte. Und dann war ich froh darüber, dass mein Mann noch lebt. Und dann war ich plötzlich gar nicht mehr froh, weil mir in diesem Augenblick einfiel, dass ich ihn wegen so vieler Kleinigkeiten oft ganz schön anzoffe.

Auf dem Weg ins Schlafzimmer schickte ich ihm ganz viele Herzchen und Emojis und bekam auch sofort ein paar von ihm zurück. Und dann schickte er mir Fotos aus der Kneipe (auf denen ein paar Gläser Guiness und dahinter verschwommen sein Bruder, ein guter Freund, der Barmann und keine einzige gewaxte Projektmanagerin zu sehen waren).

Ich schwor mir, mich nie mehr mit ihm über so unsinnige Dinge wie das Fernseh-Programm zu streiten. Als ich im Bett lag und die rechte Seite neben mir leer blieb, weil mein Mann gerade in einem ganz anderen Land in der Kneipe saß, da ahnte ich, dass wir die schwachsinnigen Streitereien untereinander irgendwann einmal vielleicht ganz schrecklich bereuen könnten. Mindestens so sehr, dachte ich, wie Holly sie in “P.S. I Love You” bereute. Und dann knipste ich das Licht aus.

Foto: Warner Bros. Pictures, Momentum Pictures

Raumschiffe fliegen lernen

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Foto: hellopetersen auf Instagram

“Warum spielen wir nicht mal wieder etwas zusammen?”, fragten die Kinder am Wochenende und zogen das Star-Wars-Puzzle aus dem Schrank, für das sie im vorigen Jahr noch etwas zu klein waren.

Der jüngere trug das Puzzle in die Küche und setzte sich auf seinen Kinderstuhl. Dann kam der ältere dazu.

Ich stellte ein paar Kekse auf den Tisch und dachte plötzlich an Natalie Portman.

Portman spielt in “Star Wars” die großartige Padmé Amidala. Immer, wenn ihr langweilig ist, braust Padmé mit dem “Millenium Falcon” durch das Weltall. Nie fragte sich Padmé, ob sie es überhaupt schafft, das größte Raumschiff aller Zeiten zu lenken? Oder ob ein Mann das alles vielleicht viel besser könnte?

All diese Fragen stellt sich Padmé, während sie so im “Millenium Falcon” sitzt und dabei zusieht, wie am Fenster gerade in Lichtgeschwindigkeit die Milchstraße an ihr vorbeirast, ganz sicher nicht.

Padmé tut es einfach. Sie zögert nicht lang, sondern wirft sich auf den verschlissenen Pilotensitz, drückt ein paar Knöpfchen und dann hebt der Flieger auch schon ab.

Ich setzte mich zu den Jungs. Die Kinder öffneten den Karton, kippten die Puzzleteile aus und fragten mich, ob ich mit dem Rand beginnen könnte. Klar konnte ich das!

Während wir Kekse aßen und lospuzzlten, dachte ich an Padmé. Wenn ich mir in Zukunft ein bißchen was von ihrer Attitude abschaute, dachte ich, dann sähen meine Tage vielleicht schon bald ganz anders aus.

Happy, happy

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Gestern war es mal wieder soweit. Ich feierte meinen Geburtstag. Aus Furcht, mir könnte während der Arbeitszeit etwas schiefgehen, verbrachte ich den Ehrentag in diesem Jahr lieber nicht im Büro.

Wäre es nicht ärgerlich, morgens in Champagnerlaune in die Firma zu düsen und gegen Mittag an einem verstopften Kopierer zu verzweifeln?

So sehr ich mich auch freue über selbstgebastelte Gutscheine, selbstgebackene Kuchen und selbstgesungene Ständchen – wenn der Kopierer streikt, kann man die Partylaune der geladenen Kollegen aber mal ratzfatz in den Papier-Schredder schieben.

Auch ist der Kopierer ein nicht ganz ungefährliches Gerät. Wie oft brach ich mir beim Öffnen von “Seitenfach F” einen Fingernagel ab? Wie oft verbrannte ich mich im Inneren der Maschine an einer heißen Walze oder schnitt mir beim Herausfummeln einzelner, messerscharfer Papierfetzen in den Zeigefinger?

Wer viel Zeit in der Firma verbringt, weiss: Alltag im Büro ist auf seinem beschränkten Handlungsraum zwischen Schreibtisch und Rollcontainer, Konfi, Kaffeeküchte und Klo zwar oft unglaublich spaßig, aber nicht unbedingt eine Aneinanderreihung sagenhafter Sternstunden.

Nicht alle 365 Bürotage im Jahr (minus 52 Wochenenden und 30 Urlaubsstage) liefern nonstop Stoff für scharfsinnige Sitcoms.

Weder wird im Büro ständig gut gekleidet die Welt regiert ( “House of Cards”), noch wird Cognac und Whiskey aus Kristallschwenkern gepichelt oder auf durchgesessenen Zweisitzern ein Nickerchen gehalten (“Mad Men”). Bedauerlicherweise pferchte sich in meinem Beisein auch noch kein Abteilungsleiter einen tausend Euro teuren Massagestuhl ins winzige Zimmer (“Stromberg”).

Dafür wurden einige meiner Chefs von Kollegen verehrt wie eine Art Übervater (ähnlich wie Martin Sheen als POTUS in “The West Wing”). Kaum ein angeschmachteter Vorgesetzter konnte allerdings über Monate hinweg das Gag-Niveau der lustigen Julia Louis-Dreyfus halten (“The Veep”) und wenige waren so sexy wie mein Lieblings-TV-Anwalt, der testosterongesteuerte Ari Gold  aus “Entourage”. Nicht extra betont werden muss wohl, dass manche sich jedoch für mindestens so sexy hielten.

Es liegt also auch am Personal, das nicht alle Arbeitstage das Zeug dazu haben, Fernsehgeschichte zu schreiben.

Und gibt´s nicht einen besseren Schauplatz für die Geburtstags-Feierei?  Mein Lieblingssetting ist immer noch: die eigenen vier Wände.

Ist es nicht so viel besser, den Ehrentag bis weit in den Vormittag hinein im Bett zu verbringen? Und ist es nicht viel entspannter, irgendwann kurz vor der Mittagszeit in Richtung Frühstückstisch zu bummeln, barfuß, ungeduscht und mit Pumuckel-Haaren? Ist es nicht wunderbar, im Pyjama am buntgeschmückten Tisch eine Kerze auszupusten und sich voll stummer Vorfreude etwas für das gerade erst begonnene Lebensjahr zu wünschen?

Die besten Geburtstage sind eben die, an denen Zeit ist für Pyjamaparties am Küchentisch. Zeit, um nach dem Pusten noch zwei Atemzüge lang in den Kerzenrauch hineinzuschnuppern. Zeit, sich darüber zu freuen, dass man diesen besonderen Tag überall feiert, nur eben: nicht im Büro.

Viel Zeit, die Office-Sitcom also einfach mal auszusetzen und bei Kerzenschein einen Kuchen anzuschneiden mit einem Menschen, der einem sehr wichtig ist.

Foto: TheGlitterGuide via Tumblr

Zurück

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Ich dachte, ich melde mich mal wieder zurück. Ein Jahr lang schrieb ich nichts, völlige Stille. Ich postete nicht mal einen Lieblings-Song. Im Herbst dachte ich noch: so geht´s doch nicht weiter. Und dann kam der Winter. Und es war genau so weitergegangen. Ich hatte keine einzige Zeile geschrieben.

Im Frühling raffte ich mich auf. “Jetzt geht´s hier endlich wieder los”, nahm mir vor. Und dann? Dann wusste ich erstmal nicht so richtig, wie.

Ich mochte nichts, was ich so zusammentippte. Nach einem langen Tag im Büro war ich abends müde, oft auch einfach zu faul. Ich kramte lieber im Kühlschrank herum, aß Milchschnitten und verbrachte endlose Stunden auf Modeseiten im Netz. Dinge, man halt so macht, wenn man unter der Woche in seiner “Dienstwohnung” hockt.

Aber jetzt ist er zurück, der Sommer. Und hier wird’s auch endlich wieder weitergehen.

In den nächsten Wochen berichte ich darüber, wo ich in letzter Zeit so steckte (meistens in meiner neuen Zweit-Heimat Düsseldorf), warum ich nicht mehr schrieb (weil ich einen irre aufregenden Job antrat) und was ich in den letzten 52 Wochen so erlebte (superviel!).

All das, ab sofort, genau hier. Ich freue mich auf Euch!

Habt einen entspannten Start in den Sommer. Bin ICH froh, dass er wieder da ist.

 

Foto: Smallgirlblogging via Tumblr

 

Wir haben uns.

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Huhuuu. Ich mache mich diese Woche mal voll locker. Und Ihr? Auch so megaentspannt? Nee, quatsch, bevor hier gleich die ersten wutentbrannt das Browserfenster dichtmachen: ich bin natürlich NICHT voll tiefenentspannt. Sind ja nur noch ein paar Tage bis Weihnachten. Wie könnte ich also tiefenentspannt sein. Ausgerechnet jetzt. Dauernd poppt doch noch irgendwas Oberwichtiges auf, im Büro ein einziges “Land unter” und es muss natürlich unbedingt bis zum Jahresende dringend noch so halbwegs überall Klarschiff gemacht werden.

Mein Schreibtisch zuhause gleicht mittlerweile einem einzigen Müllhaufen. Wenn unser Nachbar von oben klingelt, um etwa eine Bohrmaschine auszuleihen (auch dort wird scheinbar vor Jahresende handwerkermäßig noch einmal Gas gegeben, bin ganz beeindruckt..), nun, wenn´s klingelt, werfe ich zur Zeit blitzschnell die Tür zum Arbeitszimmer zu. Nicht, dass mir dort jetzt im Moment noch jemand frech reinluschert. Und es fehlt mir auch gerade noch, dass man mich mitleidig fragt, ob ich die Bohrmaschine denn überhaupt entbehren könne, so “beschäftigt”, wie´s dort drüben im Arbeitszimmer scheinbar aussähe, da stünde mir bis Heiligabend aber noch einiges an Gewerkel bevor.

Nachbarn werden also gerade nicht reingelassen. Zalando- und Amazon-Pakete für andere reiche ich durch die halbgeschlossene Wohnungstür durch. Bohrmaschinen auch. Selbstgebackene Kekse gibt´s bei mir in diesem Jahr keine. Selbstgebackenes von anderen hingegen nehme ich selbstverständlich jederzeit gern entgegen. Neulich hatte im Büro jemand Vanillekipferl dabei. Selbstgebacken. Puh, waren die gut. Kurz dachte ich mir: ach, komm, ich mach´ heute abend auch noch “schnell” welche. Aber dann war´s plötzlich Mitternacht. Vierundsiebzig E-Mails später und immer noch keine Vanillekipferl im Ofen. Nicht mal ansatzweise. Na und? Es hat sich in meinem Haushalt bislang auch noch niemand beschwert. Vermutlich traut sich keiner. Können ja dann selbst Kekse backen, wenn die Herrschaften welche haben wollen.

Und überhaupt: ich bin jetzt gerade froh, dass ich halbwegs noch zum Duschen komme. Haare werden seit Dezember im unregelmäßigen Rhythmus gewaschen. Ist eh besser für die. Und dann abends immer schön die Wollmäuse aus dem unteren Haarbereich rauskämen. Meine Schals verreiben die Haare im Nacken zur Zeit in eine dermaßen schlimme Filzlauserei, wenn ich nicht aufpasse, habe ich bis zum Frühlingsbeginn funky Dreads wie Bob Marley.

Damit die Haarspitzen jetzt im Winter nicht zu trocken werden, reibe ich immer mal wieder ein paar Handvoll “Haaröl” von WELEDA in den unteren “Föhnbereich”. Eine frühere Blog-Empfehlung von Okka und Marlene. Bin schwer begeistert.

Ist er nicht auf ´ne Art auch bereinigend, der Jahresabschluss? Neulich berichtete mir mein Freund von einer ehemaligen Kollegin, die ihm eine ganze Mittagspause lang erzählt hatte, wie sehr sie in diesem Jahr zur schwer erhellenden Erkenntnis gelangt sei,  dass der elendige Perfektionismus doch die Wurzel allen Übels wäre.

Ich war ganz Ohr. Dass Perfektionismus völlig überbewertet wird, das ist ja seit einer Weile auch meine heimliche Theorie. Irgendwie merkwürdig. Es muss das Alter sein. Oder unsere Zeit. Perfektionismus ist scheinbar nur noch was für überambitionierte Streber. Oder für Menschen, die in den Human Ressources-Departments dieser Welt arbeiten. Kann man das jetzt einfach mal so platt herunterbrechen. Ich finde: ja. Warum denn nicht? Nichts gegen die netten Menschen aus den Personalabteilungen. Nein, nein. Ihr seid ja gar nicht gemeint. Aber ganz ehrlich: wer Lust hat, klickt heute abend bei “Monster.de” einfach mal auf ein x-beliebiges Jobangebot eines mittelständischen Unternehmens in der deutschen Provinz und verzweifelt nicht, sondern schmunzelt bitte auf der Stelle über derart mickeymausartig überzogene Personal-Anforderungen, die nicht mal die Merkel erfüllen könnte. Und die ist mal tough. Und top ausgebildet. Und kein bißchen auf die Schnauze gefallen. Und lässt sich ja wohl von niemandem auf die Theke scheißen (um es mit einem meiner absoluten Lieblingsquotes von Alexa zu sagen).

Deshalb schreibe ich jetzt mal: Spießer, Überperformer und Perfektionisten, Ihr seid “buh”.

Diese Behauptung kommt mir jetzt eh gerade sehr gelegen, wenn ich da jetzt an mein Arbeitszimmer und die noch nicht gebackenen Vanillekipferl denke.

Schmeißt all Eure übergeschnappten Weihnachtsambitionen aus dem Fenster. Kocht und backt, was ihr wollt. Und nicht das, von dem Ihr denkt, dass andere denken, dass Ihr es kochen und backen müsstet. Schenkt was kleines. Oder gar nichts.

Die Hauptsache ist nämlich immer noch: wir haben uns. Und wir sind gesund und munter beieinander. Vor wenigen Tagen erst machte mich ein Ereignis im Bekanntenkreis ganz still und traurig. Und ich erinnerte mich zurück an ein furchtbar trauriges Ereignis aus dem vergangenen Jahr. Es zeigte mir, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass wir so schön beeinander sitzen, alle zusammen, die Kleinen und die Großen.

. . .

Happy 2. Adventwoche Euch allen! Macht´s Euch schön.

P.S. Träumt von einem Sommerbad im See. Mache ich auch gerade. Ach, Sommer, wie freu´ ich mich auf Dich.

Nostalgie-Fernsehen

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Au. Weia. Ich gehöre jetzt offensichtlich schon zur Sorte Frau, die sich mit Mitte Dreißig völlig ultrakonservativ nach einer Serie sehnt, die seit zehn Jahren nicht mehr produziert wird. Gestern abend wünschte ich mir auf der Couch dringend eine harmlose Folge von “Sex and the city” herbei.

Während alle Welt megasüchtig nach “Game of Thrones” ist (der meiner Meinung nach brutalsten und überbewertetesten Serie unserer Zeit), wünsche ich mir, es gäbe mal wieder einen Hype um etwas, von dem ich selbst ganz mitgehyped bin. Klar, es gibt “House of Cards”, “Girls” und “True Detective”. So etwas wie “Sex and the city” scheint heute allerdings kein Mensch mehr produzieren zu wollen. Wer schreibt uns bitte, bitte mal wieder eine Serie wie “Sex and the city”, die in den Neunzigern auch von Männern betont uninteressiert mitangeschaut wurde, wenn gerade mal wieder eine neue Folge über den winzigen Röhrenfernseher im Wohnzimmer lief.

Würde Carrie heute beim Lunch mit Miranda, Samantha und Charlotte Ihre Kreditkarte aus einer kleinen, schwarzen “Céline”-Trio-Bag herausfischen? Hätte sie Stan Smith-Sneakers an den Füßen? Hmm, Sneakers und Carrie Bradshaw, das passt irgendwie nicht… Würde sie jetzt einen “Flat white” im Pappbecher durch die Straßenschluchten von Manhattan tragen? Und keinen “Latte Macchiato” mehr? Wäre der Mix aus Flohmarkt-Vintage und High Fashion immer noch Ihr Stil? (Fänd´ ich soo super! Mir kommt´s gerade so vor, als trüge kein Mensch mehr Vintage…)

Was hätte sich im New Yorker Stadtbild seit den späten Neunziger Jahren verändert? Hätte Carrie ein anderes Apartment in einem ganz anderen Stadtteil? Wer erinnert sich noch an das Townhaus in der Perry Street? Dort auf den Treppenstufen hat Carrie immer gesessen, die großen Papptüten der einschlägigen Labels abgestellt, telefoniert, auf “Big” gewartet…  Carrie´s Apartmenthaus fand im April 2012 für schlappe 9.85 Mio. Dollar einen neuen Käufer. Heureeka! Greenwich Village, there goes your neighbourhoud….

Was denkt Ihr, würde Carrie heute auch keine Zeitungs-Kolumnen mehr schreiben? Sondern bloggen? Wäre sie bei Instagram, Facebook und Twitter? Gäbe es einen Gast-Auftritt der It-girls Cara Delevingne und Alexa Chung? Und wäre “Mr. Big” immer noch der Mann an ihrer Seite? Gute Frage, oder? Der Typ “verschwiegener Investmentbanker in schwarzer Limousine”, also einer, der immer erst nach Anbruch der Dunkelheit von seinem Fahrer gebracht wird und im Morgengrauen wieder verschwindet, wäre der im Jahr 2014 noch “en vogue”?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Carrie und Mr. Big sich jemals über etwas tiegründigeres als das Frühstück unterhalten hätten. Sätze wie “Ich komme mit meiner Sex-Kolumne heute zu keinem besonders heißen Ende” oder “Ich habe gegen nachmittag zwei Trustfonds falsch bewertet, eine Zilliarde Dollar verbrannt und einen wichtigen Kunden verloren”, die sind doch in der Serie eigentlich nie gefallen. Macht ja aber auch nichts. Emanzipation und Gespräche auf Augenhöhe? Hat damals vielleicht nicht immer so sehr im Mittelpunkt gestanden, als man das Drehbuch für diese zwei Charaktere zusammenschrieb.

Und heute? Gäbe es die Serie heute noch, ich bin mir sicher, Mr. Big wäre heute ein anderer Mann. Irgendwie moderner. Lebendiger, weniger “blockig”, nicht so steif. Vielleicht interessierter an Carrie. Sicher wäre ihm klargeworden, dass interessante Frauen inzwischen nicht mehr mit uninteressierten, selbstverliebten Arschgeigen ausgehen. Das wäre nämlich total 2000er Jahre. Vielleicht wäre er 2009 während des Bankencrashs an der Wallstreet auch im Job so ein winziges bißchen auf die Nase gefallen. Möglich, dass er mittlerweile weniger reich ist, dafür aber herzlicher. Offener. So stelle ich ihn mir heute vor. Könnte sehr gut sein, dass alle Figuren mittlerweile ein kleines Charakter-Make-Over bekommen hätten. Und wäre das gut? Schwer zu sagen. Vielleicht auch irgendwie nicht. Soll alles lieber schööön so bleiben, wie ich es in Erinnerung habe. Ich sag´s ja: call me “ultrakonservativ”.

In den Wintermonaten schaue ich mir deshalb völlig rückwärtsgewandt noch einmal alle Folgen von vorne an. Gestern entdeckte ich auf Amazon auch noch die “Pink Edition”: alle sechs Staffeln “Sex and the city” in einer einzigen DVD-Box. Kreisch! WIE für mich gemacht. Kinder, falls mich jemand sucht: ich bin in Wollsocken, Schlafanzug und hochgeknödeltem Haar auf der Couch. Und werde sie so schnell auch nicht mehr verlassen.

Und welche Serie schaut Ihr Euch im Herbst noch einmal von vorne an?

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Fotos: alle von Tumblr

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Zitronensommer!

 

Soludos 2

Soludos

Fragt mich nicht, wo die Zeit geblieben ist. Gerade war doch erst noch Ostern. Und – schwuppsdiwupps – ist schon wieder Hochsommer…

Wißt Ihr, worüber ich mich diese Woche so unglaublich freue? Über meinen Urlaub. Hurraaaa…

Ich bin nach Spanien gedüst. Die nächsten drei Wochen verbringe ich mit meiner Familie am Platja de Muro (auf Mallorca). Lesen, dösen, schwimmen. Ab und zu mal eine Wasserschlacht. Ich war wirklich lange nicht mehr am Strand. Hatte völlig vergessen, wie schön es ist, einfach mal völlig Stulle eine halbe Ewigkeit aufs offene Meer zu starren. Soooo super!

Wer viel arbeitet, kennt das Gefühl: nichts zu tun, das fühlt sich anfangs so an, als würde man etwas völlig verbotenes tun. Etwas, was eigentlich nicht okay ist.

Wer sein Tempo verlangsamt und  “nachlässt”, könnte am Ende nämlich womöglich noch völlig abschlaffen. Drei Wochen lang herumzuschlumpfen?  Das mochte ich vor meiner Abreise öffentlich gar nicht so richtig zugeben. Es ist auch nicht einfach, drei Wochen des Nichtstuns völlig konsequent durchzuhalten. Ständig möchte man von seinem Strandlaken aufspringen, etwas besichtigen, besorgen, etwas schlaues lesen, ein paar Emails schreiben oder etwas in Gang bringen. Wie schön ist es, wenn dieses rastlose Gefühl nach ein paar Tagen ein wenig nachlässt. Man muss nur stoisch dranbleiben. Am Nichtstun. Kommt einem nach all der Ackerei VOR dem Urlaub selbstverständlich noch einmal besonders absurd vor.

Wie muss das Nichtstun erst nach drei Monaten sein? Oder gar nach sechs? Der Designer Richard Sagmeister hat sich alle sieben Jahre eine Arbeitsauszeit verordnet. Er lebt und arbeitet in New York und verbringt nach sieben Jahren jeweils 12 Monate in einem völlig fremden Land. Für seine vorige Auszeit zog er nach Bali. Die Auszeiten haben dem Renomée seines Designbüros daheim in New York (und auch seinem wirtschaftlichen Erfolg) ziemlich gut getan.

Wer einfach mal wegkommt vom MACHEN, hat nämlich irre viel Zeit zum DENKEN. Klingt platt. Ist aber so. Endlich gelingt es einem, fernab des täglichen Klein-Kleins auch mal größer zu denken. Und zwar: VIEL größer. Und freier.

Der Designer Stefan Sagmeister nutzte die Auszeiten zu einer geistigen Entrümpelung, auf die ich fast ein wenig neidisch bin (wäre ich doch jemals nur halb so konsequent). Alle Jobs und Auftraggeber, die ihm aus der Distanz völlig bekloppt vorkamen, warf er über Bord. Alles, was keinen Spaß machte oder geschäftlich hinrissig war, sagte er ab. Klingt und liest sich total logisch. In den Alltag übertragen lässt sich dieser Mut trotzdem nicht so leicht. Wie viele Menschen arbeiten täglich in einem Job, der zwar nicht viel Spaß macht, aber finanziell extrem vernünftig ist. Ich weiß, wovon ich spreche. Hab´ ich jahrelang selbst so gemacht.

Neulich erzählte mir ein junger Entrepreneur bei einem Start-up-Treffen an der Berliner TU, er habe in der ZEIT gelesen, dass 80 % der Deutschen innerlich bereits gekündigt hätten. Und trotzdem würden sie jahrelang weitermachen. Es helfe ja nichts. Irgendwas müsse man ja arbeiten. Das fand ich extrem interessant. Seit der Gründung meines kleinen Unternehmens (von dem ich sicher noch immer nicht ganz leben kann) frage ich mich täglich: WIE will ich arbeiten? Mit WEM will ich zusammenarbeiten?  WOMIT verbringe ich 100 Prozent meiner Arbeitszeit? An welchen Dingen kann ich noch etwas verbessern? Wo kann ich noch etwas dazulernen?

Der Designer Sagmeister behauptet, wer sich geistig frei machen wolle, müsse sich vor allem auch aus seinem Arbeits-Alltag ab und zu mal völlig befreien. Klaro: für mich als Freelancerin ist das eigentlich (von einigen Job-Absprachen abgesehen) easy. Für Freunde mit Kindern ist es dann nicht mehr ganz so einfach. Aber möglich ist es sicher immer.

Hey Ihr: it´s the holiday season! Nutzt die Zeit, macht Euch frei. Ist doch Sommer! Denkt an nichts. Werft Euch unter Eure Sonnenschirme. Und vertraut darauf, dass Euch beim Zitroneneis kaufen ganz nebenbei eine ganz plietsche Idee kommen könnten. It works! It always does.

Schöne Ferien Euch allen!

 

Wer Lust hat, kann sich während der Ferien auf youtube.com einen meiner Lieblings-Vorträge von Stefan Sagmeister ansehen:

Sagmeister über “The power of time off”. 

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Foto: Ist der Zitronenprint auf den Espadrilles nicht spitzenmäßig? Sie sind von meinem Lieblings-Label für Espadrilles, dem amerikanischen Start-up “Soludos”.